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Im Kleinen, im Überschaubaren, da wo meine Verantwortung noch gegenüber dem Anderen greifbar ist, gibt es keine Ausrede. Nach der Chaostheorie zu hoffen, dass bei uns viele kleine Schritte die emotionalen Bedingungen in anderen Ländern nachhaltig beeinflussen werden, ist obskur.

Man stelle sich vor, wir erlassen alle geforderten Gesetze, unsere Politiker sind die ersehnten Vorbilder und dennoch will wider Erwarten ein erheblicher Teil der Welt diese grüne Versuchung nicht teilen. Da ist auch bei uns immer noch die Frage, ob der größte Teil der Bevölkerung bereit ist, zum Wohl der Welt auf einen erheblichen Teil des Konsums zu verzichten. Den 10% (?) Reichen (statt: 3 Autos nur noch 1, 12 Reisen nur noch 5), täte das nicht weh, aber alle anderen könnten auf die Strasse gehen. Frankreich als Beispiel und Vorbild? Greta auch an diese Front gegen die Massen? Wohl dem, der einen greifbaren und allseits geschmähten Feind hat. Der zudem noch seine Wiederwahl ersehnt. Die betende Naivität macht die Klima-Rechnung ohne das, was zu erwarten ist. Bisher und auch künftig wird das sichere „Kotelett“ jeden täglichen Wettlauf gegen die Aussicht auf ein Dessert im künftigen ungewissen Paradies gewinnen. Sie können zu Recht jammern, das Gegenteil beschwören und diesen Pessimismus anklagen. So ist es. Und wer das immer noch nicht glauben und wahr haben will, der soll an sich selbst hinunterschauen. Hier haben alle Guten (auch die Uneinsichtigen haben eine Stimme und könnten auf die Strasse gehen!) Recht, aber das nutzt nichts, wenn in anderen Ländern unser Recht, unsere Einsichten nicht geteilt werden. Es nutzt nichts, darauf zu hoffen, dass ein globales Umdenken erfolgt, weil in anderen Länder zeitweise Atemmasken getragen werden müssen, wenn gleichzeitig (wie in Indien) die Wiedergeburt der Maßstab ist oder in China noch immer die Ahnen das Schwert über die Lebenden schwingen. Es nutzt nichts, wenn wir das Gute wollen, in anderen Ländern aber Ziel ist, nur die täglichen Bedürfnisse gelten zu lassen. Es ist schmerzhaft zu erkennen, dass die Entwicklung (jährlich kommen ca. 150 Mio. neuen Mittelstandsbürger hinzu) unabwendbar ist. Und dann stellen sich Greta und ihr Gefolgsleute hin und erklären vorzugweise die Politiker für verantwortlich. Wenn das wirklich so gemeint ist, dann sind ja wohl demokratische Entscheidungen, die das bessere Klima in Gesetze gießen, ohne das die Bevölkerung sie mehrheitlich trägt, gut aber doch undemokratisch. Es gibt weltweit genügend Länder, ist denen auch nur kleine Einschnitte in den Wohlstand bereits zu Bürgerkriegen führen. Die zivilisatorische Evolution, bis hin zum perversen Konsum als Selbstzweck (Lust- u. Frustkäufe, die Schränke sind voll, Lebensmittel werden vernichtet) ist das Problem. Das zu ändern wäre ein Paradigmenwechsel, den noch keine Gesellschaft ertragen hat. Demokratisch erst recht nicht. Darum gilt für alle Gesellschaften hoffnungsdumm: Lieber ein langsames und hoffentlich nicht so schnelles Ende des Wohlstandes erwarten, als ab sofort erheblich weniger mobil zu sein und den zivilisatorischen Keuschheitsgürel der Guten zu tragen.