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Sehr geehrte Damen und Herren,
hier meine kurze Reaktion zu Bukrhard Weitz : ,,Worin sind Christen sich überhaupt einig."
Zunächst finde ich es lobenswert , dass Herr Weitz diese Frage überhaupt einmal aufzuwerfen wagt und beackert.
Leider unterläuft er seine eigene gute Intention im zweiten Teil, wo er fragwürdige Kriterien zu finden scheint, die heute unaufgebbar für alle seien.
Denn damit teilt er seine Christenheit wiederum fein säuberlich von den vermeintlich anderen ab. ich beziehe mich aus Zeitgründen nur auf die erste These. Seine These, wer das Abendland verteidigen wolle, müsse offen sein für Menschen jeder Hautfarbe uw. kann so nicht stehen bleiben. Er ist im Kontext der heutigen Kirchenpolitik zutieft falsch. Ich werde auch sofort mißtrauisch, wenn igendwo im Satz ein ,,müssen", gar ,,wir müssen" auftaucht.
Niemand muss. Sicherlich liegt in dem Wort ein wahrer Kern verborgen, aber die Aussage ist unhaltbar, sowohl aus pragmatischer als auch aus theologischer Sichtweise.
Es ist ja klar, wohin die Reise geht, indem Herr Weitz, dessen Kolumne ich wirlich schätze, die eingeforderte ,,Offenheit" anscheinend doch mehr oder weniger mit der offiziösen EKD - Haltung in Eins setzten möchte, oder sollte er hier wirklich radikale Offenheit für alle Lesarten signalisieren wollen, also für anderslautende politische Positionen? Ich traue lese das eben eher einschränkend und letzlich sektirerisch, Kernkraftdebatte, sog. Friedenbewegung läßt grüßen. Der geneigte Leser ahnt die Absicht und ist verstimmt.
Ich meine im Gegensatz zur offiziell propagierten Meinung, dass ein Christ ganz und gar nicht die offizielle Gesinnungsethik in Bezug auf die Einwanderung, so wie sie jetzt geschieht, teilen ,,muss".
Ich habe leider selbst in Predigten im letzten Jahr gehört (80er Jahre reloaded), dass Pfarrer nun endlich einmal wieder auf der richtigen Seite stehen wollten, Parteien bewerteten und danach von vielen laut geklatscht wurde. Mir ist übel dabei geworden.WO führt das denn hin?
Damit wird die Gemeinde gepalten und das Reich Gottes auf die Erde gezerrt. Unser Reich kommt? How dare You! Soll sogar die Auflösung der staattlichen Ordnung (den vulgärmarxistischen Antifa Sprüchen nahe) propagiert werden, wo doch die klassischen Nationen größtenteils die Aufklärung hervorbrachten, schließlich die Aufklärung trugen, bis heute.
In der chaotischen Spätantike erlosch doch vielmehr vielenortens die römische Zivilisation, dass sollte uns in der Resth-EU doch eher zur verantwortungsvollen Stellungnahme mahnen. Zurückhaltung wäre die angemessene christliche Haltung!
Polen sprechen z.B gerne davon, dass Ihr Land, ihr Volk getauft wurde. Völker (nicht im neuzeitlich-rassistischen Sinne wohgemerkt!) spielten schon in und um Israel eine große Rolle, auch geschichtstheologisch, bis Heute. Klar ist doch, ohne Davids Siege (einer Nation), keine Kind in der Krippe.
Sicherlich taufen wir streng genommen keine Völker, sondern Individuen, und dazu ohne Ansehen der Hautfarbe, Rasse usw. Das heißt aber nicht, dass wir auf der politischen Ebene automatisch für igendetwas offen sein ,,müssten". Das ist ein gesinnungsethischer Kurzschluss. Jesus selbst hat keine politische Partei gegründet, auch keine römische Migrationspolitik bekämpft oder befürwortet.
Übrigens bezieht sich Herr Weitz im zweiten Teil ja wiederum ganz explizit auf das Judentum, offenbar als Ethnie, dass selbstverständlich bis heute selbst darüber bestimmt, wer ,,einwandern" darf, entweder in den Staat Israel oder im Rahmen der jüdisch - othodoxen Konversion. Haben die Völker nicht dasselbe Recht und wenn warum denn nicht?
Fazit: Jeder Christ sollte auch kontroverse Positionen beziehen dürfen und mit Respekt dafür behandelt werden. Die Kirche, (also schon gar nicht die EKD als Bund) ist weder Wächter unserer Verfassung, dass sind die Bürger, noch hat die evangelische Konfession insgesamt eine einheitliche Meinung zu einem Lehramt ,,ihrer" Kirche. Auch sind diese mit Ihren Leitungen wie im Übrigen ja auch die nicht basisdemokratisch legitimierten Synoden (Ausnahme meines Wissen Würtemberg) nicht befugt, mir meine politische Meinung vorschreiben.
Der Christenmensch ist sicher gut beraten, alles gut zu reflektieren, aber er ist dabei ein zutiefst freier Mensch, denn ist nicht gut wider das eigene Gewissen zu handeln. Daran möchte ich doch einmal mit Luther, auf den sich ja alle gern berufen, erinnern. Wenn schon, dann sollte sich die Christenheit ihrer Märtyrer gemeinsam erinnern, denn das sysmbolisiert diese Gewissenhaftigkeit viel besser als platte politische Agitation.
Mit freundlichen Grüßen
stud.ev.theol.Dirk Bachmann