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Hauptsache Gymnasium! Und bloß keine Brennpunktschule! Dass Eltern so denken, schadet der Gesellschaft, …
Eltern vorzuwerfen, dass sie ihren Kindern Voraussetzungen für ein erfülltes und selbstverantwortliches Leben mitgeben wollen, halte ich für – mit Verlaub – realitätsfern, ja unverschämt. Gesellschaftlicher Schaden entsteht m.E. nicht durch solche vernünftig handelnden Eltern, sondern durch über Jahrzehnte gepflegte ideologische und offensichtlich erfolglose Positionen, wie sie die beiden Bildungsakteure im Interview äußern. Ich möchte nur zwei Aspekte herausgreifen. Warum ist es heute gesellschaftlich nicht mehr möglich zu diskutieren, dass neben einer hinreichenden staatlichen Ausstattung der Schulen, die Eltern in der Verantwortung stehen, ihre Kinder nach Kräften schulisch zu begleiten. Der ständige Verweis auf Armut und die materielle Spaltung der Gesellschaft offenbart m.E. ein traurig stimmendes Menschenbild und es ist gerade an diesem Ort zu fragen, ob menschliche Fürsorge und Zuwendung erst erwartbar sind, wenn das Einkommen stimmt. Ich komme selbst aus sehr, sehr, bescheidenen, ja, heute würde man sagen, bildungsfernen Verhältnissen und meine Eltern haben es dennoch fertiggebracht, mich und meine Geschwister zu erziehen und zu unterstützen. Bildungserfolg braucht das Zutun der Eltern. Wir müssen ein gesellschaftliches Klima schaffen, in dem Verantwortung auch wieder beim Einzelnen angesiedelt, dies auch als Leitbild begriffen und nicht lediglich an den Staat delegiert wird. Und zum Thema Migration. Wenn wir weiter fast reflexhaft relativieren, dass der Islam in seiner derzeit gelebten Form noch sehr starke patriarchalische Vorstellungen pflegt, ja, von den religiösen Eliten eingefordert werden, wir jedoch als an der Integration interessierte Gesellschaft darauf verzichten, gegenüber der islamischen Bevölkerung – ohne Ressentiments - deutliche Signale auszusenden, dass dies nicht unseren Wertvorstellungen entspricht, werden die Integrationsbemühungen vornehmlich im Sande verlaufen. Ich wüsste nicht, weshalb ein – und das ist als kulturelle Bereicherung zu begrüßen - gläubiger und in seiner Kultur gefestigter Moslem sich unserm Wertesystem öffnen sollte, wenn wir dieses nicht selber wertschätzen und selbstbewusst vertreten.
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Volkmann