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Prinzipiell teile ich die Bedenken von Frau Wöllenstein und Herrn Helbig, dass die Spaltung in unserer Gesellschaft immer größer wird und das momentane Bildungssystem dazu beiträgt. Auch ich sehe das mit Sorge. Dennoch bin ich etwas irritiert davon, dass Eltern, die ihre Kinder auf eine Privatschule schicken, als „strukturell rassistisch“ und als „Biodeutsche“ bezeichnet werden.
Mein Mann und ich sind beides Akademiker. Unser Sohn besuchte eine private Grundschule. Dort waren wir immer sehr zufrieden. Völlig arglos meldeten wir ihn an der Realschule unseres Wohnortes an, die einen hohen Migrationsanteil hat. „Biodeutsch“ wie wir sind, sahen wir darin kein großes Problem. Unser Sohn wurde dann zwei Jahre extrem gemobbt, obwohl er gern Teil der Klassengemeinschaft gewesen wäre. Da haben wir verstanden, dass es auch eine Ausgrenzung, einen „Rassismus nach oben“ gibt. Diesen Aspekt berücksichtigen Frau Wallenstein und Herr Helbig in ihren Aussagen überhaupt nicht.
Unsere Tochter ging auf die staatliche Grundschule. In der Klasse mit 22 Schülern und Schülerinnen gab es nur zwei Kinder ohne Migrationshintergrund.
Obwohl sie dort nette Freundinnen fand, mit denen sie sich gut verstanden hat, wurde sie in den ersten zwei Schuljahren sehr häufig Opfer von Gewalttaten. Während der ersten Klasse wurde sie so oft verprügelt, dass wir sie zum Kung-Fu-Unterricht anmeldeten. In der zweiten Klasse wurde sie so stark gewürgt, dass sie nachmittags noch Schluckbeschwerden hatte. Der Gipfel war ein sogenannter „Albanerkreis“, bei dem mehrere Jungs auf dem Pausenhof um sie herum in einem Kreis standen und sie schubsten, bis sie weinend auf dem Boden lag. Inzwischen ist sie auf einem Privatgymnasium.
Ich weiß nicht, auf welche Schulen die Kinder von Herrn Helbig und Frau Wöllenstein gehen, aber ich möchte mich nicht abwerten lassen, wenn ich meine Kinder auf Schulen schicke, von denen sie nicht mit psychischen oder physischen blauen Flecken nach Hause kommen.
Carmen S.