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Sehr geehrter Herr Brummer,
mich hat Ihr Artikel an meine Zeit in der Bundeswehr Ende der siebziger Jahre in der Henning von Treskow Kaserne in Oldenburg erinnert.Das Beispiel von Treskows inspirierte viele Offiziere,den Mut zu haben, als Staatsbürger in Uniform
ihrem Gewissen Folge zu leisten, und deutlich werden zu lassen,welchen Wert und Würde jeder einzelne Soldat in seiner Pflichterfüllung für dieses Land besitzt.Es war jederzeit möglich,während der Dienstzeit an Gottesdiensten teilzunehmen,und mir war es vergönnt,sogar an der Militärwallfahrt nach Lourdes teilnehmen zu können.Während des Unterrichts in Innerer Führung wurden zahlreiche offene Diskussionen über aktuelle Themen der Zeit geführt,ohne daß in irgendeiner Weise dirigistisch eingegriffen wurde.Erst später mußte ich feststellen,daß dieser Geist nicht überall in der Bundeswehr Bestand hatte.Und nach dem Mauerfall und der teilweise Integration von Beständen der NVA hat sich das Klima nochmals verändert.Die Aufarbeitung der NS-Zeit war zu meiner Dienstzeit Programm,und eine Heroisierung von
Wehrmachtsoffizieren fand nicht statt.Mir hat diese Erfahrung damals das Vertrauen in die Regierung der Bundesrepublik Deutschland gefestigt und die Demokratie überzeugend als praktisches Politikmodell etabliert.Wenn ich da an andere Militärs im Ausland denke,schätze ich unsere Bundeswehr um so mehr.Auch das Gefälle zwischen Offizieren und Mannschaften ist längst nicht so eklatant.Immer wird deutlich,daß im Dienst ein Dienstverhältnis besteht.
Außer Dienst ist und bleibt man Staatsbürger.Aber damals gab es auch noch keine Auslandseinsätze,und die Bundeswehr verstand sich als reine Verteidigungsarmee,die ausschließlich innerhalb der Grenzen des Landes übte,und höchstens bei Katastropheneinsätzen wie Feuer in der Lüneburger Heide oder Hochwasser in Hamburg eingesetzt wurde.Ich kann dem Generalmajor nur wünschen,daß seine Äußerungen im richtigen Kontext gelesen werden und keinerlei disziplinarische Maßnahmen erteilt werden.Ich denke,daß es wichtig ist für die Meinungsbildung der Sodaten,auch den Finger in die Wunde zu legen und deutlich zu machen,wo die Gefahren für die Demokratie liegen,wenn eine Partei wie die AfD intelligent demokratische Prinzipien aushölt und Grenzen der Akzeptanz austestet und die Infragestellung tradierter Werte postuliert.Vielen Dank für Ihren Artikel.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Wichmann