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"Frauen, nehmt euch den Platz!" Heft 09. 2019

Sehr gehrte Frau Keller, sehr geehrte Frau Ott,
man hat als älterer Zeitgenosse schon so manchen Befreiungs - Kampf erlebt, den der Schwarzen in Südafrika, den der Algerier in Nordafrika als Beispiele für die Befreiung vom Kolonialismus, den der Ungarn und Tschechen gegen die Zwangsherrschaft der Sovjets, den der Chilenen gegen die Militär - Diktatur Pinochets, heute das Unrecht, dass die Israelis an den Palästinensern in Form massiver Militärgewalt ausüben ... aber auch innerstaatliche Befreiungs - Kämpfe wie diejenigen Schwarzen und Indianer in den USA als Beispiel für rassistische Unterdrückung ... die Aufzählung ließe sich beliebig erweitern.
Man ist also als aufmerksamer und engagierter Zeitzeuge mit Unrecht und Gewalt hinlänglich vertraut.
Und hätte sich niemals träumen lassen, dass die Dimension dieser Leid - Erfahrungen noch einmal eine weitere Steigerung erfahren könnte, wie es diese verdienstvolle Moderation des Gespräches zwischen Frau Furtwängler und Frau Werner unter dem Titel: "Frauen, nehmt euch den Platz!" durch Sie im Chrismon - Magazin jetzt dem beklommenen Leser vor Augen geführt hat.
Welch schwere Unrechts - und Leid - Erfahrungen ihnen, die sich hart zum Erfolg haben durchkämpfen müssen, zuteil geworden sind! Wie Frau Furtwängler schon als Kind verwehrt wurde, "ein großes Rad zu drehen", weil ihr frühzeitig der Berufsweg zur LKW - Fahrerin verbaut wurde. Wie Frau Werner es zwar geschafft hat, LKW - Fahrerin zu werden, aber dafür mit der zutiefst demütigenden Behandlung konfrontiert wurde, dass man ihr als künftiger Managerin den Anblick eng aneinander gerückter Buchstützen auf dem Bücherbord im Bewerbungs - Zimmer, die nur für ein Buch Platz ließen, ostentativ zumutete Wie sie erleben musste, dass man, also Mann ihr ins Wort fällt oder dass Männer das Gesprächsthema wechseln, wenn sie sich zu ihnen gesellt. Eine besonders subtile und deshalb auch besonders perfide Unterdrückungs - Strategie. Eine typisch weibliche Benachteiligungs - Erfahrung, von der Männer wohl nur schwerlich eine Vor-stellung haben!
Wie der jetzige Backlash zum autokratischen Führungsstil trotz #MeToo die männlichen Machthaber wieder zu einer Beschneidung von Frauen - Rechten verführt - kaum auszuhalten für Frau Furtwängler, die dazu neigte, "Mitleid mit den Männern zu haben". Was man ihr sofort abnimmt.
Und dann eine ihrer der zentralen Erkenntnisse dergestalt, dass die "Angst von Frauen, nicht zu gefallen, die patriarchale Gesellschaft immer noch am Leben hält." Die ja Ursache und Quelle allen Unterdrückungs - Übels ist.
Frau Werner versuchte es zwischendurch auch einmal mit einem Hinweis auf das für Frauen noch immer ungelöste Problem von Beruf und Familie, dass aber unter ihrer Gesprächsmoderation zugunsten der viel wichtigeren Zielsetzung: “Bloß nicht wieder Mitleid mit den Jungs!” natürlich nicht weiter vertieft werden konnte.
Insgesamt eine exemplarische überzeugende Darstellung all der Ungeheuerlichkeiten, die die patriarchale Unterdrückung der Frau mit sich bringt. Dass sich jetzt auch die christliche Kirche so selbstlos und mit soviel Augenmaß auf die Seite der unterdrückten Erfolgsfrauen stellt, sollte einem als Mann zu denken geben. Unverständlich vor diesem Hintergrund, dass am Sonntag den 8.9.2019 dieses entlarvende Aufklärungs - Gespräch nur so kurzfristig im Internet erschien.
Mit freundlichen Grüßen Axel Boldt