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Die „Vorständin“ – des Guten zuviel!
Mit Entsetzten habe ich die Titelseite der Chrismon vom September 2019 zur Kenntnis genommen, ein Entsetzen, das es mir unmöglich machte, das Blatt weiter in Händen zu halten.
Es gibt in der deutschen Sprache Nomina, die eine bestimmte Menge (im mengenlogischen Sinne) von Individuen bezeichnen:
- der Verein,
- die Gruppe
- das Kollektiv
Zu der Klasse solcher Nomina gehört auch „der Vorstand“. Das Genus dieser Mengen ist völlig unabhängig von der Zusammensetzung der bezeichneten Kollektive. In einem Verein können allerlei Geschlechter vereint sein, ebenso in einer Gruppe oder in einem Kollektiv.
Niemand kam (bisher) auf den Gedanken, ein weibliches Mitglied eines Vereins eine „Vereinin“, ein weibliches Mitglied eines Kollektives eine „Kollektivin“ zu nennen. Wollen wir genau das ausdrücken, folgen wir anderen Regeln, Wir bilden z.B. Komposita: „Vorstandsmitglied“, „Vereinsmitglied“ usw., oder wir wählen verwandte Nomina, z.B. „Kollektivistin“. Die „Vorständin“ verstößt gegen diese Regeln, was bei einigen sprachlich empfindsamen Menschen die oben bezeichneten Gefühle des Unwohlseins auslöst.
Mir geht es nicht um eine grundsätzliche Kritik an sprachlichen Gleichberechtigungsversuchen. Aber hier ist in guter Absicht über das Ziel hinaus geschossen worden. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Redaktion der Chrismon mir künftig durch sorgfältigere redaktionelle Arbeit die Lektüre wieder ermöglichen würde. Mit freundlichen Grüßen