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Vieles darin ist durchaus bedenkenswert und interessant, aber dass Sie das Bild vieler (linker westlicher) Intellektueller, die DDR sei doch eigentlich gar nicht so schlimm gewesen ("Ja, die Kinderbetreuung in der DDR war sehr gut") unkommentiert 1:1 verbreiten, ärgert mich sehr. Natürlich kann Frau Furtwängler in einer freien Gesellschaft die (hoffentlich aus eigener Anschauung gewonnene) Meinung vertreten, in der DDR seien "Kinder gut betreut" gewesen - man kann ja außerdem "gut" rein quantitativ betrachten (nämlich, dass schon sehr sehr kleinen Kinder tatsächlich den ganzen Tag über in Einrichtungen abgegeben werden konnten), man kann "gut" aber auch im Sinne einer Qualität verstehen - und zu der gehörte in der DDR eine ideologische Indoktrination und die Gleichschaltung vom ersten Schritt an. Denken Sie nur an Bettina Wegners Lied "Sind so kleine Hände" - diese bitteren Wahrheiten beruhen auf eigener Anschauung. Übrigens wurde dieses Lied bei Jugendgottesdiensten in Ostberlin gesungen.

Und noch etwas: Wenn aus der (natürlich positiven) gleichen Bezahlung von Frauen in der DDR auf reale Gleichberechtigung in diesem Unrechtsstaat geschlossen wird (wie Frau Werner das nahelegt), ärgert mich das sehr. Der 8. März wurde gefeiert, aber im Privaten war Haushalt Frauensache, und Kinderbetreuung sowieso. In dieser Hinsicht kann von Gleichberechtigung in der ehemaligen DDR keine Rede sein.

Sehr schade, dass Sie dieses Bild einer DDR mit glücklichen rundum-betreuten Kindern und selbstbewussten Frauen, die sich überall behaupten, weil sie ja einst Equal Pay genossen haben, verbreiten. Die "Ränder" der Gesellschaft, die AfD genauso wie die Linke, wird's freuen.