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Grüß Gott,
ich bin – obwohl in den friedensbewegten 1980ern groß geworden, ganz Ihrer Meinung, was die Kritik an der fehlenden Wertschätzung der bundesdeutschen Soldaten und die Notwendigkeit ihrer Einbindung in die Gesellschaft angeht.
Ich möchte jedoch zur Idee der Dienstpflicht, bzw. zum insinuierten Vorwurf, dass "die Jugend" nicht bereit sei, sich "für ihr Land" einzusetzen, etwas zu bedenken geben. In schöner Regelmäßigkeit wird die Forderung nach einer Dienstpflicht erhoben – jedes Mal mit oben angeführtem Unterton. Dabei wird vollkommen außer Acht gelassen, dass es erstens in vielen Bereichen mehr Bewerber für die vorhandenen FSJ-Stellen gibt als Stellen und – mindestens ebenso wichtig – dass diese Stellen nur besetzt werden können, wenn die Jugendlichen von zuhause alimentiert werden, deckt doch das Entgelt nicht die Lebenshaltungskosten eines Freiwilligen, zumindest dann nicht, wenn die Unterkunft nicht gestellt wird.
Meine ältere Tochter hat ein FSJ beim Roten Kreuz im Rettungsdienst gemacht – sie konnte zuhause wohnen, essen, leben.
Meine jüngere Tochter beginnt ein FSJ in einer bayerischen KZ– Gedenkstätte, 300 km weg von zuhause. Die 380 Euro Entgelt, die ihr zustehen, sind nur deshalb ausreichend, weil ich es mir leisten kann und leisten möchte, sie finanziell zu unterstützen. Eine Reihe ihrer MitschülerInnen hätte gerne einen Freiwilligendienst gemacht, hat aber nicht das nötige Geld zur Verfügung.
Die in der Politik häufig erhobene Forderung nach mehr Engagement muss also bitte mit einem sold-ähnlichen finanziellen Polster für Dienstpflichtstellen einher gehen.