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Dem evangelischen Militärbischof Sigurd Rink gebührt Dank und Anerkennung für seinen Beitrag zur unzulänglich ausgeprägten Wertschätzung unserer Bundeswehr und ihrer Angehörigen, die - vom Bundestag mandatiert - einen z.T. aufopfernden und lebensgefährlichen Dienst in unser aller Namen und zum Wohle unseres Volkes leisten.
Leider tun wir uns in Deutschland – nahezu 75 Jahre nach Ende des durch uns vom Zaune gebrochenen 2. Weltkriegs – noch immer schwer, das militärische Element als unverzichtbaren Teil politischen und parlamentarisch kontrollierten Handelns anzuerkennen. Erschwerend haben wir mit der unausgegorenen und überhasteten Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 dem gesellschaftlichen Integrationsbedürfnis der Soldaten und Soldatinnen als „Staatsbürger in Uniform“ einen Bärendienst erwiesen. Den vor einem knappen Jahrzehnt ohne Not getroffenen Aussetzungsbeschluss erachte ich als eine gravierende Fehlentscheidung, denn sie behindert eine m.E. unverzichtbare innere Identifikation mit unserem Staat, dem zunehmend eine „Bringeschuld“ für persönliches Wohlergehen zugemessen wird, wohingegen der Gedanke, dem Staat auch (neben der allgemeinen Steuerpflicht) zu persönlichen Gegenleistungen verpflichtet zu sein, immer mehr verblasst. Deswegen unterstütze ich nachhaltig die von Bischof Rink ventilierte Überlegung einer allgemeinen Dienstpflicht, die wahlweise im sozialen Bereich, im Entwicklungsdienst, bei Feuerwehr und Polizei oder eben auch in den Streitkräften abgeleistet werden kann. Ein solcher Dienst würde auch nach meiner Überzeugung – wie schon zu Zeiten der allgemeinen Wehrpflicht – durch unmittelbare und mittelbare Betroffenheit dazu beitragen, die gegenwärtig vorherrschende Distanz zur Bundeswehr abzubauen. Eine allgemeine Dienstpflicht würde auch helfen, bei den dienstleistenden jungen Männern und Frauen ein positives Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln und dazu beitragen, durch die Vermittlung staatsbürgerlicher Bildung und ethischer Werte heute vielfach überzogenen Individualismus und Egoismus zu beschneiden und das Gefühl zwischenmenschlicher Wertschätzung wieder reifen zu lassen.
Ich würde mich freuen, wenn Bischof Rinks Vorschlag nicht gleich wieder zu stereotyper Ablehnung sondern zu ernsthafter Überlegung führen würde … auch wenn ein solches Vorhaben sicherlich kein zugkräftiges Wahlkampfthema sein dürfte und „ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß“ erfordert.