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Sigurd Rink bezeichnet die Entscheidung der Berliner SPD, Jugendoffizieren der Bundeswehr künftig nicht mehr vor Schülerinnen und Schülern sprechen zu lassen, als "traurigen Höhepunkt" einer gesamten Entwicklung.

Die Berliner SPD begründete ihre Entscheidung von Ende März 2019 mit dem Alter der Schüler. Die Bundeswehr überschreite "klar die Grenzen ihres Kompetenzbereiches", Schülerinnen und Schüler müssten ihre "zentralen Lebens- und Wertvorstellungen erst noch entwickeln. Dementsprechend anfällig sind sie für militärische Propaganda und Verharmlosung der realen Gefahren eines militärischen Einsatzes", heißt es in dem SPD-Beschluss - und: "Für Töten und Sterben macht man keine Werbung."

Schon mehrfach haben am "Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten", die Organisationen Kindernothilfe, missio, terre des hommes, UNICEF Deutschland und das Deutsche Bündnis Kindersoldaten den „Schattenbericht Kindersoldaten“ vorgestellt. Er zeigt die deutschen Defizite bei der Einhaltung von menschenrechtlichen Verpflichtungen auf. Darin wird auch die Werbung der Bundeswehr an Schulen kritisiert, weil Schutzpflichten und Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention von der Bundeswehr verletzt werden.

Deutschland hat das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten 2004 ratifiziert und sich somit zu einem weit reichenden Schutz Minderjähriger verpflichtet. Dass eine vierstellige Zahl von unter 18-Jährigen bei der Bundeswehr ihren Dienst tut, verletzt die von der Bundesregierung unterzeichnete UN-Kinderrechtskonvention und führt jedes Jahr neu zu scharfer Kritik - leider ohne Konsequenzen seitens der Bundeswehr oder der Bundesregierung.

Einem (Militär-)Bischof würde es gut anstehen, wenn er diese Fakten in einem kirchlichen Magazin benennen würde, vor dem Hintergrund der Botschaft Jesu zum Gewaltverzicht und zur Feindesliebe aufrufen - und ebenso wie das kirchliche Hilfswerk "Missio" das Ende des "Kindersoldatentums" in der Bundeswehr fordern würde.

Zu Auslandseinsätzen schreibt Sigurd Rink: "Wir schicken sie als Wählerinnen und Wähler über unser Parlament in die Einsätze, ...".

Bei diesem "Wir" der "Wählerinnen und Wähler" handelt es sich allerdings um eine deutliche Minderheit der deutschen Bevölkerung. Die Berliner "taz" titelte bereits am 31.1.2014:
"Auslandseinsätze der Bundeswehr. Große Mehrheit gegen Ausweitung" und führte aus:
"Fast zwei Drittel der Deutschen lehnen Umfragen zufolge eine Ausweitung der Auslandseinsätze der Bundeswehr ab. Im am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer sprachen sich 62 Prozent der Befragten gegen die Anregung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen aus, Deutschland solle sich militärisch stärker an internationalen Kriseneinsätzen beteiligen".
Diese deutliche Mehrheit gegen Auslandseinsätze gibt es bis in die Gegenwart.

An diesem entscheidenden Punkt der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik verkehren unsere Volksvertreter im Parlament ihren Namen ins Gegenteil: Sie vertreten das Volk nicht!

Wer den gesamten Artikel liest, dem stellt sich die Frage: Ist es Aufgabe eines Militärbischofs, sich in einer Zeit wachsender internationaler Spannungen, wo Abrüstung, Deeskalation und Dialog das Gebot der Stunde sind, sich als Militär-Lobbyist in einer kirchlichen Zeitschrift zu betätigen?

Clemens Ronnefeldt, Diplom-Theologe,
Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes,
Freising