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Der Herr Militärbischof fordert mehr Gemeinschaftssinn und Engagement für das Gesellschaft. Adressat dieser Aufforderung ist die junge Generation. Und weil die lieber an sich denkt als an andere, muss ihr Einsatz für das Gemeinwohl durch Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht erzwungen werden. Ältere Herren, die sich über die egoistische Jugend beschweren, sind schon aus der Antike bekannt. Das will ich nicht weiter kommentieren.

Aber dass die moralphilosophische Schule der Kommunitaristen, zu der sich der Herr Militärbischof so mutig bekennt, andere mit Zwang zum Gemeinsinn bekehren möchte, halte ich für eine steile These. Er formuliert es selbst sehr schön: "Aber es würde den Zusammenhalt unseres Gemeinwesens stärken, wenn mehr Bürger sich frei .... fragen würden, was sie für ihr Land tun können ..." Genau so ist es: Es geht den Kommunitaristen darum, Bürger aller Altersgruppen dafür zu gewinnen, sich freiwillig für die Gesellschaft zu engagieren. Ehrenamtliches Engagement in Erfüllung einer gesetzlichen Verpflichtung ist ein Widerspruch in sich.

Noch einige Sätze zur Rolle der Reichswehr zwischen 1919 und 1933. Der Herr Militärbischof meint offenbar, die Weimarer Republik sei daran gescheitert, dass die Reichswehr eine Berufsarmee und damit "Staat im Staate" war. Das ist vorsichtig formuliert eine Zehntelwahrheit. Die Weimarer Republik wurde von ihren gesellschaftlichen Eliten mehrheitlich abgelehnt - nicht nur vom Offizierskorps der Reichswehr, sondern auch von der Justiz, den Beamten, der Wirtschaft und notabene der Evangelischen Kirche. Daran ist sie zugrundegegangen, und nicht daran, dass der Versailler Vertrag die Einführung der Wehrpflicht im Deutschen Reich untersagte.