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Sehr geehrte Damen und Herren,
bislang war ich der Meinung, dass Chrismon ein Magazin ist, dass gesellschaftliche Diskussionen anregt, aber nicht beabsichtigt, tendenziöse Meinungsbildung zu betreiben. Zum Thema Homöopathie geben Sie zwei Homöopathie-Gegner*innen durch ein Interview und freundliche Fotos breiten Raum und lassen dann im Internet Ihre Leser*innen abstimmen, ob sie die Übernahme der Medikamentenkosten durch die gesetzliche Krankenkasse befürworten oder nicht. Dass Sie damit keine faire, offene Diskussion über die Homöopathie anstreben, sondern einstimmen in die bewusste Stimmungsmache gegen Homöopathie, empfinde ich als sehr enttäuschend. Die Aussagen, die die Doktor*innen Grams und Gottschling treffen, zeigen ein völliges Unverständnis gegenüber der Homöopathie und, vorsichtig ausgedrückt, erhebliche Informationslücken im Umgang mit dieser Komplementärmedizin. Frau Dr. Grams als Kronzeugin für die Unwirksamkeit der Homöopathie heranzuziehen, weil sie die Homöopathie aufgegeben hat, ist journalistisch leichtfertig, fragt sich die Leser*in doch, ob überhaupt seriös und zumindest ausreichend recherchiert wurde. Erfolgreich homöopathisch tätig zu sein, erfordert eine hohe Expertise einerseits und Empathie für die Patient*innen andererseits. Dies gehört zu den Leitsätzen einer medizinischen Tradition, die ihren begründet angestammten Platz in der medizinischen Wissenschaft hat. Sehr wohl liegen umfangreiche Studien und Wirksamkeitsnachweise für die Homöopathie vor. Zur Wirksamkeit der Homöopathie existieren reichlich Stellungnahmen, z. B. vom Dialogforum Pluralismus in der Medizin, einem Gremium, das vom früheren Ärztekammerpräsidenten Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe und Prof. Dr. med. Peter F. Matthiessen initiiert wurde. Hier hat man sich mit den unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansätzen in der Medizin befasst und deutliche Kritik an gängigen, insbesondere von der Schulmedizin beanspruchten Erhebungs- und Studienmethoden geäußert. Ich empfehle Ihnen in dieser Hinsicht den Artikel „Homöopathie und intellektuelle Redlichkeit“ von P. F. Matthiessen aus dem Jahr 2018. Ich bin seit über 20 Jahren als homöopathische Ärztin niedergelassen und kann nicht verstehen, wie man diese wundervolle Therapieform bekämpfen muss, als wäre es Teufelswerk. Worüber reden wir? Über weitaus weniger als ein Prozent der Medikamentenkosten im gesamten Gesundheitswesen! Hat diese Diskussion nun irgendeinen wertschöpfenden Anteil an Heilung, Pflege und Prävention für uns Menschen? Haben wir in diesen Zeiten nicht größere Herausforderungen zu bewältigen? Wir homöopathischen Ärzt*innen wissen, dass die Homöopathie nicht alleinseligmachend ist und haben demzufolge unsere schulmedizinische Ausbildung nicht vergessen. Wir betreiben integrative Medizin verschiedener Disziplinen und bieten dadurch dem Patienten eine weitere Behandlungsoption an. Genau das suchen viele Patienten. Matthiessen bringt es auf den Punkt: Im Grundgesetz ist die Freiheit der Wissenschaft im Art. 5 Abs. 3 garantiert. Der Politik, und schon gar nicht einer Frau Dr. Grams oder einem Herrn Dr. Gottschling, steht nicht zu, über die Wissenschaft und die Homöopathie Recht zu sprechen. Im Weiteren zitiert Matthiessen den Philosophen Gadamer, der die Quintessenz seiner Lehre im Alter von 100 Jahren mit den Worten zusammenfasste: „Der Andere könnte Recht haben.“ Mit Ihrem Beitrag entstand der Eindruck, dass Ihre Publikation lediglich in das gleiche Horn stößt wie all jene, die gegen die Homöopathie argumentieren. Solch eine Art Kommunikation hat einen Namen und erfreut sich heutzutage gefährlicher Beliebtheit. Ich möchte dringend anregen, auch den Homöopathie-Befürwortern Raum in Ihrer Zeitschrift zu geben. Gern erwarte ich Ihre Antwort.
Mit freundlichen Grüßen