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Bitte nicht nur eine Sichtweise
Sehr geehrte Damen und Herren der Chrismon-Redaktion,
mit Erstaunen und wachsendem Unmut habe ich in der August-Ausgabe des Magazins Chrismon das Interview mit Dr. Natalie Grams und Dr. Sven Gottschling zur Homöopathie gelesen. Chrismon greift eine z. Zt. intensiv und kontrovers geführte Diskussion auf, die zudem auf unseriöse Weise von TV-Komikern wie Jan Böhmermann und Eckart von Hirschhausen polemisch zugespitzt wird.
Umso wichtiger, dass es angesichts dieser Diskussionslage und dieses Diskussionsklimas Plattformen gibt, auf denen seriös informiert und kontroverse Themen von verschiedenen Seiten her beleuchtet werden. Das kann in einem evangelischen Magazin geschehen.
Dazu wäre es nötig gewesen, wie ich das von Chrismon sonst auch kenne, zwei Gesprächspartner mit unterschiedlichen Standpunkten zu interviewen. Stattdessen kommen in dem Artikel zwei ausgewiesene Gegner der Homöopathie zu Wort, die homöopathisch arbeitende Ärzte und Ärztinnen pauschal als selbst ernannte Heiler, die mit Zaubertricks arbeiten, verunglimpfen (Artikel S. 31).
Seit Jahren von einer homöopathisch arbeitenden Ärztin begleitet habe ich erfahren, wie hilfreich Schulmedizin und Homöopathie additiv-komplementär wirken können. Als Gemeindepfarrer weiss ich von zahlreichen Gemeindegliedern, die ebenfalls diese Erfahrung gemacht haben.

Der Artikel zeichnet bedauerlicherweise das Klischee, als seien homöopathisch arbeitende Ärzte Scharlatane. Dass das zumindest so verstanden werden kann, zeigten mir einige empörte Reaktionen von Ärzten, die den Artikel im Chrismon oder in der Beilage der ZEIT gelesen hatten.

Der Artikel erweckt den fatalen Eindruck, als sei die Evangelische Kirche grundsätzlich gegen Homöopathie - und als habe sie damit in der gegenwärtigen Diskussion eindeutig auf Seiten der Homöopathiegegner ihren Platz eingenommen.
Davon kann m. E. nicht die Rede sein. Gerade von den biblischen Texten her wissen Kirche und Theologie von unterschiedlichen Wegen der Heilung - in der Spanne von Gebet über Berührung bis hin zu medizinischen Hilfsprodukten wie Pflaster (Jesaja 38) und Arzneimitteln.

Eine Gegenposition zu Frau Grams wäre im Sinne dieser angedeuteten Pluralität hilfreich und fair gewesen.

Mit freundlichen Grüssen
Martin Hauff