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Sehr geehrte Frau Holch,

ich meinte was anderes, aber geschenkt, ich hatte mich zu kryptisch verkürzt ausgedrückt. Da Sie sich jetzt aber der Sache nach zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen äußern, dazu einige hoffentlich nicht zu verklausulierte Gedanken.

Warum müssen denn die Kosten ausgerechnet im Gesundheitswesen gedämpft werden? Sonst ist doch die Gesellschaft irre stolz darauf, mit dem Markt einen Mechanismus gefunden zu haben, der alle sturzzufrieden macht. Kostendämpfung in der Möbelbranche oder so würde als dirigistisches Teufelszeug gelten.

Des Rätsels Lösung ist nicht schwer. Ohne Deckelung der Ausgaben für Medikamente würden die Kassen bald pleitegehen. Und warum will der Staat das vermeiden? Sonst gilt doch die Pleite als die ebenso verdiente wie heilsame Strafe für Misswirtschaft. Wenn die Krankenkassen im großen Stil nicht mehr zahlen können, müssen sehr bald auch die Ärzte, die Apotheker, und die Pharmaindustrie schließen. Es würde also ziemlich viel lukratives Geschäft wegbrechen. Das will der Staat vermeiden.

Ideologisch verkauft wird das als treusorgerische Maßnahme des Staates für seine Normalmannschaft, deren Gesundheit im Betrieb vernutzt wurde und die jetzt auf Kassenleistungen angewiesen ist. Da zu den Lieblingsillusionen des anständigen Bürgers gehört, sich das politische Treiben gedanklich als Ansammlung von Problemen zurecht zu legen und dann nach kostruktiven Lösungen zu suchen, schlägt diese Tour auch voll ein.

Wer jetzt innerlich mitfiebert dafür, dass die GKV keine Homöopathika mehr zahlt, um dann feststellen zu müssen, dass er seine Brille, seinen Zahnersatz und seine dringend benötigte Kur doch nicht bezahlt bekommt, darf sich über angebliche Ungerechtigkeit aufregen oder darüber, dass mal wieder die Falschen am Ruder sind. Seine Brille, seinen Zahnersatz und seine Kur muss er immer noch selber zahlen. Also läuft der Laden weiter wie geschmiert. Und der Journalismus hat ein weites, nie versiegendes Feld für knallharte Interviews, für zu Herzen gehende Reportagen aus der Welt der einsamen Rentnerinnen und für tiefschürfende Hintergrundartikel.

Dann mache ich halt auch mal einen konstruktiven Lösungsvorschlag. Ähnliches mit Ähnlichem behandeln! Die Privatrechnung des Homöopathen zehnmal aufschlagen und schütteln und dann nur ein Zehntel des Rechnungsendbetrages überweisen. Mal schauen, ob es wirkt!

Fritz Kurz