Neue Lesermeinung schreiben

Sehr geehrte Frau Chefredakteurin Holch, sehr geehrter Herr Heiss,

Gott beantragt grundsätzlich nichts. Das wäre unter seiner Würde. Seine staatliche Zulassung hat er dennoch sehr wohl erhalten. Wo? Welches Amt ist zuständig?

In Deutschland ist für die Arzneimttelzulassung das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zuständig. Bei nichthomöopathischen Heilmitteln erfolgt die Zulassung immer nur für eine bestimmte Indikation, also gut gegen Zipperlein, Rheuma oder Demenz. Allein daraus ergibt sich, dass das BfArM für Gott nicht zuständig sein kann. Gott ist bekanntlich gut für oder gegen alles, man muss nur entsprechend auf ihn hoffen.

Gott bliebe allerdings ein Hintertürchen offen. Bei Homöopathika erfolgt die Registrierung ausdrücklich ohne Indikation. Wäre das nicht etwas für Gott?

Da ergäbe sich dann allerdings ein Problem mit der Angabe der Potenzierungsstufe. Bei einem hochpotenzierten Homöopathikum befindet sich kein einziges Molekül oder Atom des Wirkstoffes im verkauften Gebinde. Trotzdem findet der Kunde noch etwas vor, was er sich einwerfen kann, wenn er in der Apotheke war. Enthielte das Fläschchen, für das er 40 Euro hinblättert, wirklich nichts, also nur die landesüblich verdreckte Luft, dann würde evtl. auch dem fest an die Homöopathie Glaubenden der Zweifel kommen.

Da sind die an Gott Glaubenden noch eine Stufe härter im Nehmen. Gott existiert in keiner Form oder Gestalt wie auch immer, die spezielle Abendmahlsproblematik bleibt jetzt mal außen vor. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen zeigt er Wirkungen, auf die die Homöopathen nur neidisch blicken können. Die Potenzierungsstufe Gottes ist somit nicht mehr als Zahl ausdrückbar.

Da muss dann sogar das den Homöopathika durchaus aufgeschlossene BfArM die Waffen strecken.

Wer ist also für die Zulassung Gottes ganz ohne Wirkungsnachweis zuständig? Da muss man rauf in die oberste Etage zum Grundgesetz. In der Präambel steht: "Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott..." Art. 4 GG: (1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Das ist schon noch mal eine ganz andere Hausnummer von Zulassung als die schnöde und zeitlich befristete vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Ich hoffe, ich konnte im Dschungel des staatlichen Zulassungswesens behilflich sein.

Mit attributfreien Grüßen

Hans Schlicht