Neue Lesermeinung schreiben

Sehr geehrter Herr Prof. Hermann,
Sie haben recht: Das von Ihnen kritisierte Gespräch ist keine "objektive Auseinandersetzung" mit dem Thema Alternativmedizin.
Nur: Als objektive Auseinandersetzung war es auch nicht gedacht. Es war noch nicht mal als Interview geplant. Sondern als ein von chrismon moderiertes Gespräch in der Rubrik "Begegnung". In dieser Rubrik treffen seit nunmehr 20 Jahren jeden Monat zwei Menschen aufeinander, die zu einem Thema unterschiedliche persönliche (!) Erfahrungen gemacht haben. So wie Frau Grams und Herr Gottschling. Es geht also für die Moderation ausschließlich darum, dass diese beiden Menschen miteinander ins Gespräch kommen und in diesem Gespräch voranschreiten. Dafür entwirft die Redaktion vorher eine Dramaturgie aus Fragen. Es geht nicht darum, dass die Moderation die Gäste investigativ konfrontiert.
Schauen Sie, chrismon ist ein Magazin, eine Zeitschrift, noch dazu eine recht dünne Zeitschrift. Chrismon ist kein Nachrichtenmagazin, sonst hätten wir im Blatt kenntliche Ressorts wie Wirtschaft, Ausland, Politik etc. Alle anderen Magazine haben üblicherweise Rubriken. So wie wir beispielsweise vorn das Portal, die Umfrage, eher mittig die Entscheidung und die Begegnung, oder ganz am Ende die Anfänge. Dazu zwei, maximal drei "freie" Geschichten, oft sind das Reportagen oder Interviews auf mehreren Seiten.
Eine "objektive Auseinandersetzung" mit dem Thema Homöopathie, also mitsamt Quellenangaben, der Bewertung von Studien, der Einordnung von Metastudien, mit den Einlassungen der wissenschaftlichen Fachgesellschaften usw. finden Sie eher beispielsweise in der "Zeit" oder auf der Wissenschaftsseite der Süddeutschen Zeitung. Dafür ist bei uns schlicht nicht der Platz. Und so etwas ist auch im Konzept nicht vorgesehen. Vorgesehen (und z.B. vom Herausgebergremium gewünscht) sind dagegen Begegnungen von Menschen - wie die von Natalie Grams und Sven Gottschling, die in Bezug auf Schulmedizin/Alternativmedizin ganz unterschiedliche Wege in ihrem Leben gegangen sind. Das hat uns interessiert.
By the way: Meine Arbeit als Redakteurin besteht bei einer "Begegnung" vor allem darin, die allermeist lebendig-wuseligen und langen Gespräche zu einem gut lesbaren Text von knappen 14.000 Zeichen zu verdichten. Und zwar zu einem Text, der zu Gesprächen anregt.
Mit freundlichen Grüßen
Christine Holch
Redaktion chrismon