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Mit Verwunderung habe ich gesehen, dass Sie auch auf den zur Zeit beliebten Zug der Schelte gegen die Homöopathie aufspringen. Bei so einer einseitigen Meinung, wie sie Frau Grams vertritt, wäre zumindest eine Stellungnahme eines Vertreters / einer Vertreterin der Homöopathie angezeigt.
Ich bin seit 30 Jahren als klassisch-homöopathischer Arzt tätig und war über 19 Jahre in der homöopathischen Weiterbildung für die Zusatzbezeichnung Homöopathie für ärztliche Kollegen tätig. Daher meine ich, mir das Urteil erlauben zu können, dass Frau Grams Homöopathie wahrscheinlich nur sehr oberflächlich gelernt und nie im Kern verstanden hat. Wenn man dann auch noch keine vernünftige Information zum tatsächlichen Stand der Wissenschaft einholt, kommt man natürlich auf den Gedanken, "dass alles nur Placebo-Effekt ist."
Schade, dass die Kollegin Grams jetzt mit diesem Halbwissen hausieren geht. Absolut inakzeptabel und aufs Schärfste zu verurteilen ist natürlich, dass Frau Grams jetzt bedroht wird und ihr mit Klagen gedroht wird. Solch einen Unfrieden zu stiften ist schlimm und schadet natürlich nur den Menschen und der Sache.
Leider stellt sie ihre eigene Meinung, dass Homöopathie nur mit Placeboeffekt zu erklären ist, als Faktum dar und nicht nur als ihre Sicht der Dinge.
Fakt ist, dass die Homöopathie-Forschung in den letzten Jahren mehrere sehr gute und reproduzierbare wissenschaftliche Versuche nach von der allgemeinen medizinischen Wissenschaft geforderten Standards hervorgebracht hat. So gibt es - nur als ein Beispiel - eine Studie der Universität Bern (S. Baumgartner et al.), die wissenschaftlich belegt (und selbstverständlich reproduzierbar ist), dass Pflanzen (in dem Fall Wasserlinsen), die bestimmt nicht auf Placebo-Effekte ansprechen, eine statistisch hochsignifikante Reaktion auf homöopathische Hochpotenzen zeigen. Hochpotenzen sind Potenzstufen ab C 30, d.h. die "Verdünnung" liegt bei 100 hoch minus 30. Die Loschmidtsche Zahl, also die Atomgröße, liegt bei 10 hoch minus 23. D.h., dass in einer C 30 sicher kein Atom der Ausgangssubstanz mehr vorhanden ist – und doch ist eine Wirkung eindeutig nachweisbar.
Mit einer einfachen Verdünnung würde logischerweise sicher keine Wirkung mehr zu erzielen sein (oder höchstens ein Placebo-Effekt), durch die intensive Verarbeitung im Laufe der Herstellung der homöopathischen Mittel durch Verschütteln und Verreiben wird aber - so der bisherige Stand der Forschung - offensichtlich ein quantenphysikalischer Effekt erzeugt, der die homöopathische Wirkung hervorbringt.
Tierärzte, die homöopathisch behandeln, sehen tagtäglich, dass bei Tieren ganz ohne ausführliche Zuwendung oder "Gespräch" homöopathische Mittel sehr gut wirken. Wo sollte da der Placebo-Effekt sein?
Wenn ich bei einem dreiwöchigen Säugling, der vor Schmerzen nur noch schreit, nach kurzer Untersuchung eine akute Mittelohrentzündung feststelle und nach sehr kurzem Gespräch mit der Mutter dem Kind das auf die Situation passende Arzneimittel gebe, schläft es innerhalb von ein bis zwei Minuten ein und ist danach gesund und munter. Wo soll da der Placeboeffekt sein?
Mit schulmedizinischen Medikamenten bräuchte es bei einer akuten Mittelohrentzündung mindestens 20 Minuten bis ein gegebenes Schmerzmittel wirkt und das Kind ruhiger wird und danach eine tagelange, möglicherweise antibiotische Behandlung, bis die Entzündung ausgeheilt ist.
Dass Homöopathie sowohl bei akuten wie auch bei chronischen Krankheiten sehr wirksam ist, kann ich als homöopathischer Arzt seit über 30 Jahren täglich in meiner Praxis beobachten - allerdings nur, wenn auch das individuell richtige Arzneimittel für den einzelnen Patienten gefunden ist. Dann heilt es sogar schwere chronische Krankheiten, eine Tatsache, die mich letztlich als Arzt von der Schulmedizin weggeführt hat. Als Facharzt hätte ich, wäre ich in der Schulmedizin geblieben, sehr viel mehr Geld verdienen können. Nicht zuletzt meine christliche Ethik hat mich dazu gebracht, auf die sehr viel mühsamere und "ärmere" Homöopathie umzusteigen, um den Menschen wirklich zu helfen.
Wenn man allerdings nicht das richtige Arzneimittel hat, selbst wenn man sich sehr intensiv und ausführlich mit einem Patienten beschäftigt hat, hat man höchstens eine minimale, kurze Wirkung, die dann wahrscheinlich von einem Placeboeffekt - den jeder Arzt mehr oder weniger nutzt - kommt.
Man muss schon sehr genau und mit viel Wissen arbeiten, um an das richtige, nur für den einzelnen Patienten passende homöopathische Arzneimittel zu kommen, das dann den Patienten wirklich heilen kann. Wenn man das nicht findet, kann man allerdings nichts ausrichten.
Mit Placeboeffekten heilt man keine Neurodermitis, kein Rheuma und keinen Krebs. Mit einem individuell für den Patienten passenden homöopathischen Arzneimittel heilt man alle diese Krankheiten sehr wohl - und besser und dauerhafter als mit der Schulmedizin. Das ist meine Erfahrung.
Homöopathie hat also nichts mit Zauberei, Quacksalberei oder Placeboeffekt zu tun. Es ist harte Arbeit und erfordert für eine erfolgreiche Therapie sehr viele Kenntnisse und Erfahrung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. med Reinhard Busmann
Arzt - Homöopathie