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Vielen Dank für diesen Artikel, er war an vielen Stellen aufschlussreich, insbesondere was das Lesen und Auswerten der Statistiken betrifft.

Ein absolutes no-go war allerdings das Titelblatt der letzten Ausgabe - "Es war ein Algerier".
Bei einer sich epidemisch ausbreitenden Fremdenfeindlichkeit haben sie ihr bestes gegeben, noch mehr Öl ins Feuer zu gießen- bravo!
Keineswegs möchte ich hier das begangene Verbrechen oder gar das Leid der Mutter in Frage stellen. Aber eine solche Aufmachung auf der Titelseite ihres Magazins ist meines Erachtens nach Meinungsmache erster Klasse. Besser kann es wohl nur die Bildzeitung, aber das liegt wahrscheinlich an den schönen roten Großbuchstaben.

Vielleicht war alles, was sie mit dieser Formulierung erreichen wollten, die Aufmerksamkeit ihrer (potentiellen) Leser zu erreichen, doch genau hier sehe ich das Problem: was meinen sie wie viele „Leser“ (also insbesondere Bezieher von Zeitungen, denen die Chrismon beigelegt ist) tatsächlich den zugehörigen Artikel lesen? Und wie viele im Durchblättern (mal wieder) nur die Botschaft erreicht „schon wieder einer von denen“?

Ob und inwieweit das die Richtung ist, die sie mit ihrem Magazin generell einschlagen wollen, kann und möchte ich hier nicht beurteilen, doch es drängt sich schon die Frage nach dem „warum“ auf.

Die schönste Erklärung für diesen Reinfall wäre noch reine Gedankenlosigkeit, aber mit Verlaub: die können sich Zeitungsherausgeber heutzutage weniger leisten denn je.
Als Teil der Medienlandschaft haben sie das Recht und die Pflicht, die Öffentlichkeit zu informieren. Über das „was“, „wie“ und „wann“ entscheiden Sie im Sinne der Pressefreiheit dabei natürlich selbst.

Selbstverständlich sind diese Informationen nie ganz neutral, sie werden von Menschen mit Meinungen und persönlichen und kulturellen Prägungen erfasst, festgehalten und veröffentlicht und das ist nicht nur völlig in Ordnung, sondern macht den Journalismus ja gradezu aus. Ihrem Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung und der immensen Verantwortung die ihnen hierbei zu Teil wird, sollten sie sich allerdings bewusst sein und insbesondere bei so sensiblen Themen wie dem der letzten Ausgabe mehr Fingerspitzengefühl zeigen und unbedingt auf reißerische Formulierungen verzichten.

Vielleicht das perfideste: auf der Rückseite drucken Sie Werbung für eine Billig-Marokkoreise zu einem Preis von knapp 12€ pro Tag, inklusive Flug - das ist (generell aber ganz besonderes) in dieser Kombination höchst respektlos und hat einen starken Beigeschmack von Doppelmoral!