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Seine Tochter zu verlieren und gleichzeitig seinen Enkel und noch dazu auf diese Weise... das Leid von Frau H. muß unvorstellbar sein. Ich möchte Frau H. auf diesem Wege mein aufrichtiges, tief empfundenes Beileid aussprechen. Ihr Bedürfnis, durch eine Warnung andere vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren, ist nur zu verständlich.
Aus meinen Erfahrungen würde ich aber eine andere Schlußfolgerung hinsichtlich des Täterprofils ziehen. Ich hatte 2005 das Glück, Algerien zu bereisen. Es ist ein wunderschönes, großes Land mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Eine Vereinheitlichung ist von daher schon schwierig, so wie es "den" Deutschen ja auch nicht gibt. Erfahrungen, die zu einer Erklärung des Verhaltens von B. führen könnten, habe ich dort nicht gemacht. Wohl aber mit einem Deutschen aus einer deutschen christlichen Familie. Das Verhalten von B. ist geradezu typisch für einen Soziopathen. Das sind Menschen, die keine Empathie haben und daher kein Gewissen besitzen. Sie sind deshalb frei von Regeln und es geht ihnen nur darum, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Es gibt sie überall auf der Welt, in allen Religionen und allen sozialen Schichten, bei Männern und Frauen. Die Amerikaner haben einen als ihren Präsidenten gewählt. Soziopathen besitzen oftmals großen Charme, umgarnen zunächst ihr Opfer, fangen es mit Komplimenten ein und beginnen dann, ihr Opfer zu manipulieren und zu isolieren. Das erklärt, warum sich die Opfer nur schwer aus dieser Lage wieder befreien können, warum Freunde und Familienangehörige sie nur schwer erreichen können. Oftmals erst, wenn die Situation für die Opfer nicht mehr auszuhalten ist. In Frauenhäusern kann man viele ähnliche Geschichten hören. Soziopathen sind in Gesellschaften nur einzudämmen, wenn der Grundtenor ein klares Bekenntnis zu einem menschlichen Miteinander ist. Wenn dies in Frage gestellt wird, indem ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt werden sollen, weil "die Muslime", "die Ausländer", "die Dunkelhäutigen" vermeintlich ganz anders sind, als "die Deutschen", werden die Soziopathen diese Meinungslage gnadenlos für ihren Vorteil auszunutzen zu wissen. Die Deutschen haben diese Erfahrung vor nicht allzu langer Zeit gemacht.
Die Geschichte von Frau H.'s Tochter und Enkel zu verbreiten, um andere Menschen zu warnen, halte ich für wichtig und nötig. Aber um zu zeigen, daß nicht alle Menschen (gleich welcher Nation, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Bildung) gut sind, daß vermeintlich Nette gemeingefährlich sein können, daß Menschen, die sich als Opfer stilisieren, um dadurch Mitleid erzeugen zu können, andere nur manipulieren wollen.
Danke für diesen sehr einfühlsamen Artikel und den Mut, dieses Thema mit allen seinen Seiten beleuchten zu wollen!