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Sehr geehrte Frau Dr. Eisenberg,

wer Antisemit ist, dem können Sie gerade nicht damit kommen, dass Sie und die Statistik viele gute Juden kennen. Sie gewinnen auch keinen Blumentopf mit dem Hinweis, dass es auch unter den Nichtjuden üble Gestalten gibt. Das weiß der Antisemit alles selber und lässt trotzdem nicht von seinem Antisemitismus. Den hat er nämlich nicht aus der Statistik, sondern aus falschen Vorstellungen darüber, wie die Gesellschaft abläuft, in der die Juden angeblich so verderblich wirken sollen.

Gleiches gilt für die zeitgenössischen besorgten Bürger, also die Fremden-, Ausländer- und Moslemhasser. Die zeigen sich voll resistent gegen Hinweise, egal ob mit oder ohne Statistik, dass es auch nichtmordende Moslems gibt oder dass auch originaldeutsche CSU-Wähler wissen, wie man Frau und Kinder umlegt. Den Hass auf die Ausländer haben auch die Rechtspopulisten nicht aus der Kriminalstatistik gelernt, sondern aus unzutreffenden - übrigens von der gesellschaftlichen Mitte hochgehaltenen - Vorstellungen darüber, wie Arbeits- und Wohnungsmarkt und der Sozialstaat funktionieren und was es mit den kleinen Gaunereien und großen Verbrechen auf sich hat.

Auch wer bei "junge Männer" gleich mal auf etwas Fäkales tippt, wird nicht durch Hinweise auf evtl. auch existierende aushaltbare Bartträger jüngerer Produktionsreihen oder Verweise auf die Schandtaten älterer Damen irre gemacht. Ein jüngerer männlicher Übelbolzen bekräftigt dann eben das, was man sich über diese Spezies schon immer gedacht hat.

Negative Erwartungen werden nicht durch Statistik erschüttert, sondern allenfalls über die Kritik der Vorstellungen, die zu diesen Erwartungen führten.

Bei positiven Erwartungen ist es genau so. Wer die positive Erwartung hat, in einem Kirchenblatt keine Überschriften zu finden, die sich erst nach Konsultation des Beipackzettels von der AfD-Propaganda unterscheiden, wird seine positive Erwartung nicht aufgeben, auch wenn er mit einer Vielzahl von Hinweisen konfrontiert wird, dass diese Erwartung ziemlich grundlos ist. Wetten?

Mit freundlichen Grüßen

Friedrich Feger