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Die Reportage hat bei mir sehr viel Betroffenheit ausgelöst, auch das diffuse Gefühl von Wut über eine völlig sinnlose Tat und ja auch Ratlosigkeit. Zuerst: ich empfand den Bericht weder reißerisch noch in irgendeiner Form fremdenfeindlich, sondern um sehr viel Differenziertheit bemüht und Marianne H. Raum gebend für ihre Emotionen und Ansichten. Egal, wie man im Einzelnen zu diesen stehen mag, ich kann die Verbitterung und die daraus resultierenden Äußerungen nachvollziehen. Ihr Kind und Enkel sind sinnlos ermordet worden, und sie hat auch "lebenslänglich" darunter zu leiden. Was die Reportage nicht beantwortet, wohl auch gar nicht beantworten kann oder wollte: was treibt Menschen wie Anne in die Arme solcher frauenverachtender, gewalttätiger Männer - völlig egal, woher dieser Typus Macho-Mann stammt oder wo er groß geworden ist? Die Aussage des Psychologen, es handele sich beim Täter um eine narzisstisch gestörte Persönlichkeit, die halte ich für einen Schlüssel, diese Tat versuchsweise "erklären" zu wollen. In dem Zusammenhang sei die Frage erlaubt, welche Milieus, Kulturen, Sozialisation solche furchtbaren Entwicklungen verstärken mögen - und was man tun kann, um dem entgegen zu wirken.
Ein unbequemer, gut recherchierter und auch notwendiger Bericht, der zu vielfältiger Auseinandersetzung anregt. Deshalb Danke dafür.