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Liebe H.D., liebe Pia und Anna und alle anderen die aus dieser Hölle kommen!

Ich danke Euch für den Mut und die Kraft, Eure Geschichten öffentlich zu erzählen. Die an so vielen Stellen auch meine ist...

Für mich (uns) ist es so wichtig, zu hören, lesen, fühlen, dass es Euch gibt. Dass ihr kämpft, genauso wie ich.
(Verzeiht, wenn es mir nicht gelingt, in der Ich-Form zu schreiben. Zu viele andere Anteile fühlen sich ebenso mit Euch verbunden und möchten auch schreiben.)

Wir sind seit vielen Jahren bei guten und erfahrenen Traumatherapeutinnen, und waren mehrmals in einer Klinik, die eine spezielle Station für Menschen mit genau dieser Art extremer Gewalterfahrung hat.
Inzwischen können wir sagen: es kann besser werden. Und der Kampf darum lohnt sich!
Unser Überleben und jedes bisschen gutes Leben im Heute, jedes bisschen Heilung, das wir uns erkämpfen, ist ein Triumpf gegenüber den Täter/innen! Ist Freiheit, die wir nie erlangen, Wut, die wir nie entwickeln und Trauer, die wir nie fühlen können sollten.

Ich/wir kennen nur zu gut das Gefühl, von der unglaublichen Gewalt und ihren Folgen bis heute erdrückt zu werden. Nicht zu wissen, wie ich damit leben können soll... mit den Schmerzen, den Flashbacks, den Erinnerungen... Und der Einsamkeit, die aus all dem erwächst. Eine Einsamkeit, die selbst im Zusammensein mit einer guten Freundin so unendlich ist....

Immer dann, wenn ich/wir anderen Menschen mit ähnlichen Geschichten begegne, hört diese Einsamkeit für eine Weile auf und ich/wir fühlen uns verbunden. Das ist Trost. Halt. Und der Ansporn, nicht aufzugeben. Gegen all die Zumutungen und das Unverständnis, die Menschen wie uns auf Ämtern, bei Kranken-, Rentenversicherungen, dem OEG,... und leider auch oft von ignoranten Mitmenschen entgegengebracht werden.
Um unsere Klinikaufenthalten und um manche Therapiestunden mussten wir mit Widersprüchen und Klagen kämpfen. Aufzugeben schien oft leichter als auszuhalten, was durch die unsäglichen Briefe der zuständigen Behörden ausgelöst wurde. Mein/unser Zustand hat sich in diesen Phasen oft massiv verschlechtert... Gleichzeitig fühlte sich das Kämpfen richtig und lebendig an und heute bin ich/sind wir sehr froh, nicht aufgegeben zu haben.

Ihr lieben Anderen da draussen, bitte gebt auch nicht auf!!
Es gibt sie, die guten Menschen, die verstehen und begleiten wollen, die bereit sind, sich unsere Geschichten anzuhören und ein bisschen mitzutragen. Und die guten Therapeut/innen, die sich mit Menschen wie uns auf den Weg machen und dableiben. Die Erfahrung, Offenheit und Ideen mitbringen, mit denen es immer wieder ein kleines Stückchen leichter wird.

Und jedes Mal, wenn eine oder mehrere von uns öffentlich sprechen, sichtbar werden, werden es ein paar gute, hilfsbereite Menschen mehr werden. Und andere werden zumindest einen Teil ihrer Ignoranz und Abwehr ablegen.

Ich schicke Euch Kraft und Mut, mein Herz ist warm, wenn ich an Euch denke
Dany

P.S.:
an alle diejenigen, die sich empören, solch detailierte Geschichte dürften nicht veröffentlicht werden:

ihr seid Teil der Masse, die mich und alle anderen Betroffenen zum Schweigen bringen will. Ob es in Eurer Absicht liegt oder nicht - damit schützt ihr in erster Linie die Täter und Täterinnen.
Ich/wir und andere Betroffene, die wir kennen gelernt haben, leiden nicht unter der Veröffentlichung detaillierter Geschichten. (Wir können ja selbst entscheiden, was wir davon lesen und was zu sehr triggert) Wir leiden vor allem darunter, dass sehr viele Menschen von der extremen Gewalt und den organisierten Strukturen dahinter nichts wissen wollen.
Oder anders: ihr haltet unsere Lebensgeschichten nicht aus. Deswegen sollen wir schweigen und nicht das tun, was eigentlich angemessen wäre: Laut und unüberhörbar vom ganzen Ausmaß der Gewalt sprechen.

P.P.S: Liebe Christine Holch,
danke ebenfalls an Sie für den Mut und die Offenheit, diesen Artikel zu schreiben! Ich empfinde Ihren Blick mitfühlend und auf Augenhöhe. Für mich/uns bewahren Sie genau das richtige Maß zwischen Nähe und Distanz, so ist es Ihnen gelungen über diese ganze Grausamkeit zu schreiben ohne zu beschönigen oder voyueristisch zu werden. Wow!
Und danke auch für die Anmerkungen innerhalb der Leserdiskussion, ich fühle mich als Betroffene gesehen, verstanden und verteidigt.