Neue Lesermeinung schreiben

Ich danke Ihnen, dass Sie die Stärke hatten, sich erneut diesem entsetzlich grauenvollen Thema, der sexuellen Gewalt gegenüber Kindern, zu stellen und danke Ihnen, dass Sie in diesem Rahmen Sprachrohr für Kinder sind, die Gewalt und Unrecht ausgesetzt sind.

Das, was Pia und Anne Ihnen erzählen, bewegt sich in solchen Abgründen, dass ich an die Hölle auf Erden denken muss und mich tatsächlich frage, wo Gott in dieser Hölle zu finden ist. Ich bin fest in meinem Glauben und habe Gott in meinem Leben immer wieder erleben dürfen, war selbst als Kind vielem hilflos ausgesetzt, was mich nachhaltig verstört hat.
Doch diese Beschreibungen von Pia und Anne sprengen für mich alles Vorstellbare über die Gattung Mensch und was manche Kinder an Unaushaltbarem aushalten müssen. Der Bericht ist gleichzeitig so schrecklich und so wichtig. Man muss über diese Hölle und sämtliche Beteiligten daran reden, damit sie besser und schneller aufgedeckt werden kann. Und der Bericht von Pia und Anne zeigt ja auf, dass es viele Beteiligte am Rande sind, die das System stützen, z.B. die Tante, weitere Familienangehörige, die Spuren der Gewalt und bestimmt auch das Bauchgefühl, dass da was nicht stimmt, übergehen, oder auch die Lehrkräfte der Schule, aber auch andere Eltern (Kinder erzählen zuhause ja auch über Mitschüler, z.B. dass die eine immer so Wunden oder Abdrücke an den Armen hat oder dass sich ein Kind anvertraut hat, es würde geschlagen ...), die denken, es ginge sie nichts an oder es gäbe ja Eltern und Familie und Lehrer-innen, die sich darum kümmern müssen.
Oder sie sind selbst hilflos und überfordert. Wie gut, dass Sie daran gedacht haben, das Kästchen mit Rat und Hilfe anzufügen! Wir sind alle aufgefordert, wachsam zu sein für Anzeichen von Gewalt in unserem Umfeld und wir alle sind in der Verantwortung, dass wir melden, wenn wir etwas Auffälliges sehen.

Für das Verhalten der beschriebenen Mütter, des Vaters und der Tante, aber auch der sadistischen Täter, gibt es für mich keine Entschuldigung.
Mir fällt auch nichts ein, was man mit diesen Menschen machen könnte, damit es irgendwie "gut" wird. Es wird nicht gut. Ich hoffe nur inbrünstig, dass Gott sie sich ganz genau vorknöpft, wenn sie nach ihrem Tod bei ihm gelandet sind. Es ist meine Hoffnung und mein Glaube, dass sie bei Gott nicht davonkommen, auch wenn sie es bei uns Menschen schaffen, sich unbestraft, ungesühnt, durchzularvieren. Sie werden bei Gott für das leiden müssen, was sie Kindern an unfassbarem Leid angetan haben. Ja, man kann sich als Erwachsener entscheiden, wie man sich verhalten möchte. Ja, man kann sich Hilfe holen, wenn man "böse Seiten"
in sich entdeckt. Nein, von Verzeihen oder Vergessen kann bei solchen unfassbaren Taten mit solchen unfassbaren Auswirkungen keine Rede sein.
Was ich mir für Pia und Anne wünsche, ist, dass Sie immer mehr Halt in Beziehungen zu guten Menschen finden. Dass sie zu Therapeuten finden, die ihnen Erleichterung geben können und Abstand zu dem erlebten Horror.
Dass sie immer mehr begreifen, dass das kindliche Ausgeliefertsein für immer vorbei ist, weil sie es geschafft haben, erwachsen zu werden. Als Erwachsene haben sie jetzt Möglichkeiten, die sie als Kinder nicht hatten. Sie waren als Kinder von allen alleingelassen und sie waren Opfer. Jetzt sind sie erwachsen und sie haben gute Menschen bei sich.
(Gleichzeitig weiß ich, dass das innere Kind mit den durchlittenen Erfahrungen in einem bleibt, und damit die Gefühle von damals auch.)

Und vielleicht tut sich mit diesem Mut, den sie aufgebracht haben, dass sie sich bei chrismon mit ihrer Lebensgeschichte gemeldet haben, auch etwas ganz Neues und Befreiendes auf, eine neue Stärke.

Und vielleicht gibt es Ideen von Pia und Anne, wie Polizei, Staat, Schulen schneller, besser, effektiver auf Täter, auf diese Tätersysteme und auf die Opfer aufmerksam werden kann, wo sie intensiv nachschauen soll... Vielleicht fallen ihnen Tipps für die Polizei und z.B. für das Jugendamt ein, die ihnen als Kinder geholfen hätten, die sie vielleicht viel früher befreit hätten. Aber vielleicht ist es auch mehr als genug, dass Pia und Anne ihre Lebens- und Leidensgeschichten in die Öffentlichkeit getragen haben und vielen Menschen ermöglichen, Anteil an ihrem Leid zu nehmen, von dem sie nicht mal geahnt hätten, dass es dieses Ausmaß gibt.

Sehr nachdenklich und betroffen, innerlich sehr aufgewühlt und Anteil nehmend

verabschiede ich mich mit aufrichtigen Segenswünschen.

Möge sich der Himmel über Pia und Anne auftun und über alle Kinder und Opfer von sexueller Gewalt, von sadistischer Gewalt, ritueller und sonstiger grauenvoller Gewalt. Möge Gott sein Licht und Heil auf alle hinabstrahlen, die zerbrochen und misshandelt sind.