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Ich bin selbst Mutter einer mittlerweile 8jährigen Tochter mit DS. Hätte ich den Mut dafür gehabt? NEIN! Niemals! Das ist keine Frage des Mutes! Denn: was hat man denn für eine Wahl in dem Moment? Sein Kind töten oder irgendwie annehmen.
Ich höre öfter diesen Satz: "Ich bewundere dich. Ich könnte das nicht!" Anfangs wusste ich nicht recht, wie ich damit umgehen soll. Sicher, er ist nett gemeint. Aber als Lob empfinde ich ihn nicht, denn er stimmt nicht! Fast jeder könnte das, wenn er muss! Es hat mich fast ein Jahr gekostet, bevor ich meine Tochter annehmen konnte. Dabei hat sie mir am allermeisten geholfen! Je mehr sie sich entwickelt hat und je mehr ich von ihrer Persönlichkeit sehen konnte, desto weniger wichtig war das DS, desto mehr wurde sie zu meiner Tochter! Heute ist sie für mich im Alltag nicht behindert, wir leben ein total normales Leben. Natürlich gibt es viel mehr zu klären und zu erledigen, das möchte ich gar nicht beschönigen. Aber nie würde ich meiner Tochter ihr Lebensrecht und ihre Menschenwürde in Abrede stellen! Und selbst wenn ICH es selbst nicht geschafft hätte - jemand anders hätte es ganz bestimmt!
Ich bin sehr froh, dass ich es nicht in der Schwangerschaft wusste. Ich hatte SEHR große Ängste vor dem Leben mit einem behinderten Kind! Davor, nun lebenslang so einen Menschen begleiten zu müssen. Vor dieser Verantwortung. Ich habe mich dem überhaupt nicht gewachsen gefühlt. Eigentlich finde ich immer, dass ich das beste Beispiel dafür bin, dass fast jeder es schaffen kann. Und: die Liebe zu meiner Tochter ist so unendlich groß, wie ich es mir niemals hätte träumen können. :-)
Ich finde, kein Mensch hat das Recht, über anderes Leben zu werten. Das kann nur Gott oder der Mensch ganz allein. Da sollte man die Energien lieber in bessere gesellschaftliche Akzeptanz und Inklusion stecken. Damit wäre uns mehr geholfen...