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Ihre Fragen und Kritiken sind nicht von der Hand zu weisen, aber es gäbe auch berechtigte Gegenfragen.

Nehmen wir die Situation nach dem WK II, als Ostflüchtlinge einquartiert wurden, oder beim Loch in der Mauer, als erste Massen aus der DDR über Ungarn nach Westen strömten. Unterschiedlicher konnte die Sozialisation und Erziehung in der DDR-Diktatur und im Freien Westen gar nicht sein. Woher stammte denn da der Optimismus, dass das zusammengeht, sodass wir diese Geflüchteten nicht besser gleich zurückschickten in die Diktatur, aus der sie kamen, weil es schwierig werden könnte?

Eben. Das wäre unmenschlich gewesen und ein Einknicken vor Diktaturen. Aber warum schützen wir aus demselben Grund dann nicht die Uiguren, das sind Türken aus Ost-Turkestan, die gerade massenweise in Volksrepublik China zurückgeschoben werden, weil sie deren Land ähnlich wie das der Tibeter annektiert hat und dem Vernehmen nach 1 Million von ihnen momentan in schlimmen Lagern einsperrt?

Natürlich wäre es schöner, dieses Problem irgendwann in Ost-Turkestan oder Tibet zu lösen. In Afrika hat das ja gerade im Ansatz tatsächlich geklappt bei einem der Länder, aus dem die meisten der anerkennungsfähigen Geflüchteten kommen: Eritrea. Da gibt es Tauwetter mit dem Nachbarn und Hauptfeind Äthiopien, zu dem Eritrea früher als Provinz gehörte, und dadurch könnte sich der Militärdienst in dem kleineren Land von lebenslänglich auf ein kleineres Maß verkürzen. Eine solche Entwicklung kann man für das chinesische Interessengebiet nicht ausschließen, aber wie soll sie gehen?

Ihr Ansatz, dass sich zunächst die Eliten aussöhnen und verständigen sollten, könnte zielführend sein, auch dort. An manchen Stellen der Welt will das aber einfach nicht nachhaltig gelingen. Vielleicht reicht es da aber auch schon, wenigstens keine Waffen mehr in diese Dauerspannungsgebiete zu schicken und sie nicht zu Stellvertreterkriegen zu nutzen?

Wer dorthin Waffen schickt, wird Flüchtlinge zurückbekommen. Wir können nicht erwarten, an Konflikten immer nur gut zu verdienen und die Folgeschäden dann allein andere ausbaden lassen. Offenbar brauchen wir den Druck, den Fluchtbewegungen erzeugen, um über die Konsequenzen unseres eigenen rücksichtslos profitorientierten und gar nicht wirklich christlichen Gewinnstrebens nachzudenken.