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Lieber Herr Husmann,

Sie schreiben im Chrismon-Newsletter vom heutigen Datum, dass Sie die Rückmeldungen auf das von Chrismon geführte Interview mit dem AfD-Politiker Volker Münz und dem Theologen Frank Richter teilweise als verletzend empfanden. Man habe oft kritisiert, das Interview hätte gar nicht stattfinden sollen, "mit Rechten solle man nicht reden".

Dass Chrismon das Interview geführt hat, empfinde ich als richtig und lobenswert. Auch ich habe mir das Interview durchgelesen.

Allerdings scheint es mir, dass Chrismon nunmehr offenbar Bedarf sieht, nachzutreten. Sie formulieren in Ihrer heutigen Einleitung zum Newsletter überaus deutlich, wie viele demokratiefeindliche, völkisch-nationalistische Populisten sich in der AfD befänden. Fragen Sie sich doch einmal, wie ein Christ, der sich in der AfD engagiert, Ihre Zeilen empfinden muss. Ist das wirklich die Botschaft, die Sie diesen Christen senden wollen?

Und ist es christlich, eine demokratisch gewählte Partei, die in den Umfragen zeitweise an die 20 % heranreichte, pauschal, mitsamt den darin befindlichen Christen, als "rechtspopulistisch" zu bezeichnen? Wie rechtfertigen Sie es persönlich vor Gott, dass Sie dadurch in der Christenheit nicht versöhnend, sondern spalterisch unterwegs sind?

Es gibt in jeder Partei Christen, sogar (!) in der Linkspartei. Es ist nicht meine Aufgabe, diese Christen durch pauschale Partei-Schelte zu diffamieren. Noch weniger meine ich, dass es Ihre Aufgabe ist, als Redakteur einer großen christlichen Zeitschrift selbiges gegenüber den Christen in der AfD zu tun. Wieso stimmen Sie in das große Medienkonzert gegen die AfD ein? Verfolgt Chrismon eine politische Agenda?

Überhaupt schon falsch ist die Terminologie, derer sich Chrismon bedient, wenn es um das "Reden mit Rechten" geht. Ob man mit "Rechten" redet, soll problematisch sein - das Reden mit "Linken" aber nicht? Sind "Rechte" schlecht, "Linke" gut? Auch die CDU hat einen "rechten" Flügel. Redet man mit denen auch nur unter Vorbehalt? Warum wird das "Rechte" pauschal diffamiert, anstatt verantwortlich zwischen "Rechts" und "Rechtsextrem" zu trennen? Auch die großen Medien differenzieren hier nicht wie geboten - enttäuschend, dass Chrismon hier mitmacht.

Und haben AfD-Wähler das "Vertrauen in die Demokratie" verloren? Vielleicht haben Sie nicht gemerkt, dass hierin erneut eine Unterstellung liegt. Bei AfD-Wählern handelt es sich also um Personen, die unser demokratisches System am liebsten beseitigen möchten ("Demokratiefeinde")? Es gibt eine große Zahl an verantwortungsbewussten, wertetreuen Personen in der AfD, die mitnichten das Vertrauen in die Demokratie verloren haben, sondern sich gerade deshalb in der AfD beteiligen, weil ihnen die Demokratie etwas wert ist. Wieso sollte die AfD sonst - was sie tut - Volksentscheide fordern?

Ich kann Ihnen als ehemals aktiver Politiker (nicht in der AfD) und Sohn eines AfD-Kreisfraktionsvorsitzenden gar nicht klar genug mitteilen, wie realitätsfern Ihre Einschätzung ist, die AfD sei demokratiefeindlich. Mein Vater ist bekennender Christ und seine Berichte über seine Arbeit in der AfD-Fraktion eines großen Landkreises stimmen überhaupt nicht damit überein, was man so allgemein von der AfD behauptet.

Ich weiß momentan nicht, ob ich Chrismon noch weiterhin lesen soll. Warum soll ich mich als Christ von einer christlichen Zeitschrift kontinuierlich diffamieren lassen? Vor zwei Wochen verteufelten Sie die Autoindustrie, jetzt die AfD - pauschal und mit Unterstellungen. Es gibt auch Christen in Bereichen, in denen Sie das für unwahrscheinlich halten. Bitte erweisen Sie diesen Christen als Teil des Leibes Christi doch auch den nötigen Respekt. Die Rettung liegt weder in einer politischen Coleur noch in der evangelischen Kirche allein.