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Längst ist klar, dass es nicht um Hilfe im akuten Notfall geht. Es geht um die Herstellung eines Dauerzustands hierzulande (vgl. Katrin Göring-Eckardt, Zitat siehe Artikel).

Kirche propagiert Hilfe nicht im Sinne einer Feuerwehr, die notwendigerweise sofort helfen muss ohne Fragen zu stellen, sondern sie reißt sich darum, helfen zu dürfen. Sorry, das ist eine Perversion des Hilfegedankens. Und sie beschimpft Menschen zu unrecht als unchristlich, die verantwortungsvoll auf gegenwärtige und künftig vorherzusehende Probleme hinweisen.

Liebe, Hoffnung, Zuversicht – abgesehen, dass Verantwortungsbewusstsein fehlt – sind bloße, erstarrte Zustände und damit irrelevant, wenn sie nicht arbeiten. Der an Zuversicht (angeblich) Reiche überwindet sich nicht, dem Armen etwas von seiner Zuversicht abzugeben. Es wird gefordert, nicht erquickt, Zuversicht als bloße Bringschuld verstanden, die dazugehörige Person mit dem Prädikat „unchristlich“ gekündigt, ratz-fatz im Kopf aus der Gemeinschaft der sich für christlich haltenden Mainstream-Kirche verstoßen. Aber dann über die Spaltung der Gesellschaft klagen… Dazu fällt mir nur noch ein: sie wissen nicht, was sie tun.

Wer im Namen eines anderen Versprechungen macht, hat im Namen dieses anderen zu liefern! Es ist ungemein bequem, etwas zu versprechen, und die Einlösung einem anderen zu überlassen. Kirche heißt, von oben nach unten zu transportieren – nicht einfach vom Unten zu fordern. Wenn das ginge, wäre das Unten besser als das Oben und sollte die Rollen tauschen.

Sozialisation/Erziehung ist eine Sache, die in der Kindheit und Jugend am meisten geformt wird. Spätere Änderung ist schwierig, ohne eigenen Entschluss undenkbar. Wer dies nicht weiß und berücksichtigt, hat nicht die nötige Ahnung von Menschen und dem Leben, darunter auch Kenntnisse über das Wesen anderer Kulturen. Wer mangelhafte Ahnung von Menschen hat oder sich eigene Wahrheiten konstruiert, eignet sich nicht zur Beeinflussung und Lenkung von Menschen.

Verschiedene Erziehung und Sozialisation unterscheiden sich durch verschiedene Auffassungen von Richtig und Falsch, von Gut und Böse, damit in den Zielen, daraus resultierend ein unterschiedliches Rechtsverständnis, alles zusammengefasst unter dem Begriff „Werte“.

Hier werden Massen von Menschen mit unterschiedlichem Erziehungshintergrund einfach mal zusammengewürfelt wie sie eben kommen mit der Zuversicht, dass es schon irgendwie klappen wird. Warum aber fehlt vergleichsweise die Zuversicht, dass es Afrika schon allein schaffen wird… oder wenigstens mit unserer Unterstützung? Man kann Menschen auch lieben und sogar etwas für sie tun, wenn sie in Afrika leben. Ist es nicht sogar die alte, deutsche Überheblichkeit, zu meinen, dass alles nur hier gelöst werden kann und muss, obwohl es nur gelöst sein kann, wenn es in Afrika gelöst ist?

An dieser ambivalenten Zuversicht ist etwas faul. Sie wird je nach Opportunität gebogen.

Wozu würfelt man Menschen eigentlich einfach so zusammen? Welche konkreten Erwartungen werden damit verbunden? Welche sind realistisch, welche nur Hoffnung mit unwahrscheinlicher Erfüllung? Welcher Benefit für alle soll überhaupt auf diese Weise entstehen? Auf welche konkreteren Vorstellungen projezieren sich Hoffnung und Zuversicht? Und… kann man dies nicht auf einem anderen, besser kontrollierbaren Weg erreichen? Muss man eventuellen Hass nicht beseitigen, BEVOR man eng zusammengesteckt wird? Warum es schwerer machen, als es ohnehin ist? Haben schimpfen und denunzieren je geholfen? Mehr verdorben als geheilt.

Warum kann man nicht erst auf der Führungsebene verschiedener Kulturen zusammenfinden und beiderseits in einem allmählichen, längeren Prozess ins Volk hinein wirken, bevor man Menschenmassen experimentell zusammensteckt? Sollen die Massen erledigen, was die intellektuellen Führungen noch nicht mal auf ihrer überschaubaren Ebene zustandebringen?

An den Forderungen und Handlungen der Kirchen sieht man, dass sie weder brauchbare Erziehungsfähigkeiten noch Phantasie besitzen für die Lösung der Weltprobleme. Sie hatten 2000 Jahre Zeit. Wir müssten heute schon ganz woanders stehen. Die Kirchen haben vielleicht Endzeitvorstellungen aber praktizieren kein funktionierendes Konzept. Die Problemlösung locker auf Gott zu verlagern, es sich mit dem Wort „Zuversicht“ bequem zu machen, nachdem man die Probleme selber gefördert hat, ist nachgerade unverschämt.

Die Menschheit ist zu komplex für naive Lösungen. Die Kirche hat sich bequem im Glauben eingerichtet. Es reicht mittlerweile nur noch für eindimensionale Moral auf fertiges Kochrezept für jeden Anwendungsfall. Obwohl Eindimensionalität in der Moral das Gegenteil von Moral ergibt. Eine intellektuelle Pleite zeitgenössischer Theologie.

Gerade wenn man Menschen mag und es gut mit ihnen meint, muss man so denken. Steuermänner müssen der Realität ins Auge SEHEN und selber Verantwortung tätig ausüben. Es gibt auch ein Leben vor dem Tode.

Verantwortung ist Gewissenssache. Es gibt zu wenig Angst in der Magengrube vor den Folgen vernachlässigter Verantwortung und Prognosefehlern.

Was ist zu tun?

Horizont vergrößern, nicht den Kopf in den Sand stecken. Kein Problem durch ein anderes austauschen und dann beim Hinweis auf Hoffnung und Zuversicht belassen. Fehler beseitigen und wiedergutmachen. Nichts von anderen in praxi fordern, das man selber nicht erfüllen kann, weil einem die Fähigkeiten fehlen. Mehr fundierte Vorausschau, schon vorhandene Erfahrungen nutzen und auch aus Fehlern anderer lernen (Frankreich: Banlieus), statt es darauf ankommen zu lassen. Mehr Wahrheit und Echtheit statt salbiger Worte.

Keine Menschenexperimente, die man nicht lenken/kontrollieren kann – nicht zuletzt, wenn sich die Beteiligten gar nicht kontrollieren lassen wollen. Man hat sie gar nicht gefragt, ob sie sich überhaupt anschließen wollen. Man macht die Rechnung die ganze Zeit schon ohne den Wirt. Schwerwiegende Versäumnisse!

Man muss erst mal gar nicht unter sich diskutieren. Man muss mit denen sprechen, um die es geht.

Ohne dies ist niemandem gedient – auch keinen Migranten. Der Respekt vor dem Leben muss größer sein, als dass man Lust hätte, mit Menschen wie mit Statisten zu spielen und sie für die eigene Verfügungsmasse zu halten.