Neue Lesermeinung schreiben

Mir ist bei dem Artikel aufgefallen, daß von jüdischen Toten oder ihren Überresten nichts geschrieben wurde.
Im Juli 2017 wollte ich eine Reise durch die drei Baltischen Staaten machen, nur das Schöne in diesen Ländern sehen, nicht aber an die fürchterlichen Kriegsgeschehen, die ich durch meine Arbeit gut kannte und kenne. 2 Tage vor meiner Abreise rief mich eine Freundin an und es wurde alles anders. Ich sollte für eine junge Amerikanerin herausfinden, was der ersten Frau ihres Vaters, beide aus Riga, geschehen war.
In Riga angekommen meldete ich mich von meiner Reisegruppe ab, ich wollte am nächsten Morgen zu den Mordstätten an den Rigaer Juden nach Rumbula, Salaspils und Bikerniki fahren, das Hotel sollte mir ein Taxi bereitstellen. Offenbar fand sich kein Taxi, das mich dorthin fahren wollte. Aber ein junger Hotelangestellter, 26, Jahre alt, mit englisch Kenntnissen und deutschem Auto, wollte einspringen.
Er hatte keine Ahnung, von der Geschichte seiner Heimatstadt, wo sich die drei großen Mordfelder, heute Gedenkstätten, befinden. Ich wußte es und konnte ihm den Weg zeigen. In Rumbula stieg er noch mit aus, fing an der schwarzen Marmorplatte zur Erinnerung an die etwa 7000 ermordeten jüdischer Kinder an zu weinen, bis zu den anderen Grabfeldern wollte er nicht mitkommen.. Er wüßte von gar nichts, sie hätten es in der Schule nicht besprochen, zuhause nicht, niemand hätte bisher davon erzählt. Salaspils fanden wir ziemlich schnell, er wollte auf keinen Fall mehr aussteigen. Bikerniki ? Da wüßte er, wo der Ort ist und fuhr mich zu einem Sportplatz. Ich stieg wieder allein aus, lief durch den Wald, bis ich an die Gruben kam. Später fand ich einen anderen Weg durch den Wald zurück, dort stehen oder standen(?) kleine richtungsweisende Stehlen aus rotgemustertem Marmor, von Israel aufgestellt. Sie waren in dem regenverhangenen Wald kaum zu sehen. Die Adresse der jüdischen Gemeinde hatte ich, den Weg also fand der junge Mann.
Übrigens fragte mich auch niemand von der Berliner Reisegruppe, ob meine Suche erfolgreich gewesen war.

In Tallin konnte mir das Touristenoffice nicht den Weg zur Synagoge zeigen, dass in Tallin eine stehen solle hätten sie noch nie gehört. Aber die Adresse eines Militaria Händlers in der Nähe des Marktplatzes könnten sie mir geben.

Nun ist das alles über 10 Jahre her, vielleicht hat sich etwas verändert. So kann ich mir nicht vorstellen, daß die „Hobbyarchäologen“ nur tote Soldaten finden, nicht aber auch ermordete Juden und andere Zivilisten. Wenn es doch so ist, sehe ich die Grabungen der Gruppe unter einem ganz anderen Gesichtspunkt. Auf den Trödelmärkten und entsprechenden Läden lassen sich die Dinge, die sie finden und behalten dürfen, gut verkaufen, an alle Nationalitäten.