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LeserInnenpost

Sehr geehrte Frau Ott,

Sie haben Recht, wenn Sie Herrn Kretschmann kritisieren mit seinem Ausspruch über junge Männerhorden, denn er meinte damit anscheinend nur eine Ansammlung männlicher, junger Geflüchteter.
Aber sehen wir doch mal von Ihrem gut erzogenen Sohn, anscheinend 18 Jahre alt, erfreulicherweise schon Führerscheinbesitzer und seit kurzem, Ihren Worten nach, auch Autobesitzer, ab, und schauen uns die männliche Spezies insgesamt an.

Da tun sich Fragen auf: Haben Sie in den letzten Jahren davon gehört, dass eine „Horde“ junger Frauen einen jungen Mann vergewaltigt hätte? Haben Sie gelesen, dass ein junger Mann von einem jungen Mädchen vom Fahrrad gerissen, vergewaltigt und dann ermordet wurde? Haben Sie von sexuellen Übergriffen von geflüchteten Frauen auf ihre ebenfalls geflüchteten Mitbewohner in Asylunterkünften gehört? Die Fragen ließen sich fortsetzen.
Nein, das haben Sie nicht, genau so wenig wie ich auch.

Aber das sind die spektakulären Fälle, die medienwirksam werden, schrecklich und lebenszerstörend für die Opfer und ihre Familien.

Täter sind aber leider nicht nur die männlichen Flüchtlinge, die keinen Respekt vor Frauen haben und sie als Freiwild betrachten.
Täter sind, und deshalb ist der Ausspruch von Herrn Kretschmann auch irreführend, Täter sind vor allem auch viele Männer, die ohne „Migrationshintergrund“ hier leben, ganz "normale" Partner und Familienväter.
Vor einigen Tagen gab es eine afp-Meldung mit der Feststellung, dass jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ehemann getötet wird. Frau kann sich die häusliche Gewalt, die diesen Verbrechen vorausging, vorstellen. Die Frauenhäuser in unseren Städten sind voll!

Dann fragen Sie uns, weshalb die vortrefflichen jungen Männer später dann zu großen Vorsitzenden und Vorständen werden? Das könnten Sie sich eigentlich selbst beantworten. Da denken Sie doch hoffentlich nicht daran, dass Frauen dafür nicht geeignet seien! In Zeiten von #metoo weiß frau längst, wie hier der Hase läuft, da greifen die alten Seilschaften, da halten die gläsernen Decken usw. und so fort. Deshalb gibt es kaum weibliche Führungskräfte!

Wir können uns nur gemeinsam wünschen, dass die männlichen Gewaltstrukturen in allen Schichten der Gesellschaft durch mehr Aufklärung, Erziehung und Bildung, aber auch durch Gesetze und eine adäquate Strafverfolgung aufgebrochen werden.

Mit freundlichen Grüßen
Adi Hübel