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Ich bin begeisterter Radfahrer und auch Öffi-Fahrer. Trotzdem benutzen wir für manche, wenn auch seltene Fahrten ein Auto. Ich bilde mir daher ein, die Probleme der Radfahrer ebenso zu kennen wie die der Autofahrer.

In Ihrem Artikel wird als Beispiel ein Installateur geschildert, der mit seinem Lastenrad zum Kunden fährt. Heizkessel und Badewannen würde ein Großhändler anliefern. Zumindest in dem Beispiel sehe im Hinblick auf Umweltschutz keinen Vorteil. Er benutzt keinen Benziner für die Warenanlieferung, der Großhändler allerdings sehr vermutlich schon. Ist das nicht nur eine Verlagerung?

Ansonsten stimme ich zu, eine Verkehrswende wäre angebracht, sie ist sogar überfällig. Sie sollte allerdings geplant vonstatten gehen. Die Einteilung von Verkehrsteilnehmern in die Guten (Radfahrer) und die Bösen(Autofahrer) halte ich allerdings für wirklichkeitsfremd.

Zum Umweltschutz: Es gibt die Möglichkeit, Autos mit Wasserstoff zu bewegen. Dazu gibt es vielversprechende Forschungsergebnisse. E-Autos sind ein Fortschritt. Dabei werden aber Akkus bzw. Batterien benötigt.
Soweit ich weiß, werden die dafür notwendigen Materialien in Afrika zum Teil unter erbärmlichen Umständen gefördert. Ist uns das egal? Oder haben sich dort die Förderbedingungen schon grundlegend geändert?

35.000 verletzte Menschen in den Ortschaften sind zu viel. Daran dürften nicht nur die Autofahrer schuld sein.

In einem Punkt sind mir Autofahrer lieber, für sie gelten Verkehrsregeln. Für Radfahrer scheint das nur sehr bedingt zu gelten.
Sie können oft in beide Richtungen fahren, was den Verkehr nicht sicherer macht. Wenn ich dann von Politikern lese, es würde die Aufmerksamkeit von Autofahrern erhöhen, wenn sie nicht wüssten, woher die Radfahrer kämen, kann ich nur den Kopf schütteln. Da werden Gefahrenquellen erzeugt, die nicht nötig wären. Und ein Autofahrer, der nicht aufmerksam hinter dem Steuer sitzt, weil er getrunken hat oder sein Handy benutzt, ist bestimmt nicht aufmerksamer, weil er noch mehr auf Radfahrer achten muss.

Drei Beispiele:

Vor gerade einer Woche haben wir einem Rentner mit seinem E-Biker aufgeholfen. Gegen unseren Rat hat er allerdings das Rad nicht nach Hause geschoben, sondern ist aufgestiegen, sobald er meinte, wir würden ihn nicht mehr beobachten. Ihm kam entgegen der Fahrtrichtung auf dem Radweg eine Gruppe Radfahrer entgegen. Ein unsicherer Radfahrer, der auch noch einer Gruppe ausweichen muss. Das ist nicht zu verantworten.
Es gab selbstverständlich auch für die andere Richtung einen Radweg.
Aber Radfahrer können offenbar fahren wo und wie sie wollen, auch wenn sie dann andere gefährden.

Ich habe vor längerer Zeit einen jungen Radfahrer gesehen, der aus einer Nebenstraße nach links in die Hauptstraße abbog. Er hat bereits in der Nebenstraße die Kurve heftig geschnitten, befand sich schon in der Nebenstraße auf der Gegenfahrbahn! Ein Auto, das ihm auf der Hauptstraße entgegen gekommen wäre und hätte abbiegen wollen, hätte ihm sehr, sehr wahrscheinlich nicht ausweichen können.

Ich habe es als Autofahrer erlebt, wie ein Radfahrer vor mir auf der Fahrbahn fuhr, mitten auf der Fahrbahn, vermutlich um jedes Überholen auszuschließen. In seine Fahrtrichtung gab es einen Radweg, den ich selber oft nutze. War der Autofahrer -also ich- bös? Ich fluche nicht über Menschen, die aus Bussen aussteigen. ich verstehe nicht, warum das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme nicht für Radfaher gelten soll.

Ganz zum Schluss: Wenn wir über Nacht alle Benzinautos abschaffen könnten, wäre das sinnvoll? Über die Mineralölsteuer zahlen die Autofahrer heftig Gelder, die an vielen Stellen im Bundeshaushalt gebracht werden. Wie will man über Nacht diese Einnahmen ersetzen?
Sollen Radfahrer Steuern fürs Radfahrern zahlen?