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Sehr geehrter (Herr) Lukas,
Sie beschweren sich über die mangelnde Wissenschaftlichkeit des Chrismon-Artikels. Ich empfinde ihn als gut recherchiert. Sie führen dennoch einige wissenschaftliche "Mängel" an.

Sie wenden als Erstes ein, die Untersuchungszeiträume aller Studien zur Behandlung von Transgender-Kindern seien nicht geeignet, um langfristige Aussagen über die physische und psychische Gesundheit von Transgender-Kindern und später Erwachsenen zu treffen. Die medizinischen Richtlinien zur Behandlung von Trans*kindern und *jugendlichen sind relativ neu. Langfriststudien gibt es zu keinen „neu“ eingeführten Verfahren. Die Datenbasis wird jedoch jedes Jahr größer. Es gibt eine Studie von Peggy Cohen-Kettenis über 22 Personen, die 10 Jahre und länger nachuntersucht. Alle waren zufrieden.

Bei Ihrem zweiten Punkt sollten Sie sich Ihrer Sache sicher sein, ehe sie Trans*menschen zusprechen, ihre Suizidrate sei nicht besser als vor dem „Wechsel“ ins andere Geschlecht (Es geht übrigens um eine Angleichung an das empfundene Geschlecht, nicht um einen "Wechsel"). Wodurch belegen Sie das? Es gibt einige Studien, die zeigen, dass es den Menschen besser geht. Auch nimmt die Suizidalität unter Trans*jugendlichen dank eines akzeptierenden Umfeldes spürbar ab. Sie aber generalisieren psychische Probleme auf alle Transidenten, wofür es keine wissenschaftlichen Belege gibt. Auch blenden solche pauschalen Vermutungen über die Suizidalität von Trans*jugendlichen und -*kindern (ohne Unterstützung in deren Umfeld) die hohe gesellschaftliche Transphobie als Ursache aus.

Im dritten Teil Ihrer Ausführungen behaupten Sie ohne Nennung von fachlich versierten Studien, der Anteil der Kinder, die den Kriterien einer hormonellen und operativen Geschlechtsumwandlung genügen, aber aus ihrer pubertären Identitätssuche als "normale" Menschen mit traditioneller Geschlechtsidentität hervorgingen, sei sehr hoch. Auch hier werden Kinder und Jugendliche über einen Kamm geschert, bei Ersteren haben wir eine "Verwirrung" eher selten. Bei Jugendlichen hat eine solche „Verwirrung“ - wo sie auftritt - nichts mit Transidentität zu tun.

Sie behaupten, die Studien, die eine unter dem Strich positive Bilanz von Geschlechtstransition bescheinigen, seien im Schnitt diejenigen, die keine ausreichenden Kontrollgruppen haben und methodisch schwach sind. Wer trifft diese Aussage? Wodurch belegen Sie das? Die Studien, die eine unter dem Strich negative Bilanz sehen, seien im Schnitt gerade die Studien von der höheren Qualität. Wer trifft diese Aussage? Wodurch wird dies belegt?
Es ist gerade umgekehrt der Fall: Die negativ bilanzierenden Studien von Zucker, Steensma und seit neuestem Littmann hielten dem wissenschaftlichen Diskurs und wissenschaftlichen Standards im Diskurs nicht stand, während die neueren, positiv bilanzierenden Studien u.a. von Ehrensaft und Olson sehr wohl höheren wissenschaftlichen Kriterien entsprechen.