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Es soll eine Ausrede sein, wenn 19-Jährige "eh keinen Unterschied mehr ­sehen zwischen den Parteien". Nein, das ist keine Ausrede, sondern eine zutreffende Erkenntnis. Diese Erkenntnis steht allerdings im krassen Widerspruch zum staatsbürgerlichen Mantra, dem viele 49-jährige und sonstige Erwachsene kritiklos aufsitzen.

Das Mantra behauptet. die Wahl sei ein Mittel der Wählerinnen. Nein, die Wahl ist ein unabdingbares Mittel der Gewählten, ihren politischen Willen durchzusetzen.

Kann die 19-jährige nach der Wahl von den Gewählten verlangen, sie sollten für ökologisch sauberes Quinoa oder billigere Smartphonetarife oder sonst was sorgen? Das kann sie genau nicht. Die Gewählten werden der Jungbürgerin klar machen, dass sie, die Gewählten, immerhin gewählt seien und genau wegen der gewonnenen Wahl das gilt, was sie, die Gewählten, beschließen und nicht das, was die Wählerin im Sinn hatte oder hat.

Die Wahl ist das Legitimationsmittel der Gewählten. In diesem alles entscheidenden Punkt unterscheiden sich die Parteien gerade nicht. Sonst würden sie sich nicht zur Wahl stellen.

Thea Schmid