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Unnötige Anglizismen, lexikalische Besonderheiten in Jugendjargons sowie Neologismen entgegen den immanenten Sprachgesetzen („unkaputtbare Fahrradschläuche“, „der Politikersprech“) geben immer wieder Anlass zu Sprachdiskussionen. - Nun zu einem Problem in einem Diskussionsbeitrag von Ursula Ott und Anne Buhrfeind („Ein nice Gespräch vong Begegnung her“). Dort heißt es „… hört man Begriffe wie Narrativ, Strukturreform, Ganzheitlichkeit“, dann erfordert dies eine Klarstellung. Begriffe kann man nicht hören, denn sie sind eine logische Kategorie, ein Produkt des abstrakten Denkens, eine Bündelung wesentlicher Merkmale: Was charakterisiert einen Apfel als Abstraktion gegenüber einer Birne, einer Pflaume… Im sog. semiotischen Dreieck unterscheiden wir den Gegenstand, dessen Benennung (Name, Bezeichnung bis hin zum Terminus), so etwa Ostsee, Fahrrad und Oszillograph. Das heißt: Das, was in unserem Gehirn / Gedächtnis gespeichert ist, ist ein Begriff. Hört man „Tischtennis“, so weiß man, was dies in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen bedeutet – im Gegensatz zu Basketball, Handball… Folglich ist es falsch, einen englischen Begriff durch einen deutschen ersetzen zu wollen (etwa „Hype“ durch Medienrummel), hier geht es um den Ersatz einer englischen durch eine deutsche Bezeichnung – das ist eine sprachliche Kategorie! Denn ob ich table oder Tisch sage, dahinter verbirgt sich derselbe Begriff! Also kann man keinen Begriff hören / sehen / schreiben, denn dieser wird rational in unserem Gehirn aktiviert. Fazit: Man muss zwischen sprachlichen und logischen Kategorien streng unterscheiden, wogegen in der Praxis oft verstoßen wird.