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Gerne beantworte ich Ihre durchaus sachbezogenen Fragen.

1.) "Ob es Gebete getan haben, ist mehr als ungewiss". Weder Wünsche noch Gebete haben je das Ziel der Wünsche näher gebracht. Das weiß auch Herr Pastor und warnt eindringlich davor, diese Hoffnung mit dem Gebet zu verbinden. Warum dann also nicht auf das Gebet verzichten? Weil das Gebet den Beter in seiner Vorstellungswelt fester verankert. Das findet Herr Pastor ganz trefflich und der Beter auch.

Denselben Fehler gibt es auch ganz ohne den lieben Gott. Da heißt das Gebet "positives Denken", der Pastor nennt sich Psychologe und die lieben Zeitgenossen bemühen sich allen Ernstes um positives Denken. Dem Ziel ihrer Wünsche bringt sie das keinen Millimeter näher. Und das freut dann ganz andere.

2.) "Sollen das alle tun oder nur wir, die wir uns moralisch so hoch einordnen?" Die Moral muss immer für alle gelten, sonst machen die, die den Schaden von der Moral haben, nicht mit. Den Gürtel enger schnallen, aber oberhalb von 10 000 Euro netto pro Monat hat man freie Bahn, das funktioniert nicht. Da kommt keine Begeisterung beim Normalverdiener auf.

3.) "Wir als die moralischen Wächter der Welt?" Aber immer doch! Ich kenne keinen Christen, der seiner Hauptmoral "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" irgendwelche geografischen oder sonstigen Grenzen setzen würde. Auch die grüne Verzichtsmoral ist ganz stolz darauf, weltweit zu gelten: "Global denken...".

4.) "Dann versuchen Sie doch einmal, den Kindertransporteurinnen und Brötchenholern ihre SUV's zu nehmen. Da das mit schönen Worten und Kämmerlein-Wünschen kaum gelingen wird, müssen Sie schon Gewalt anwenden." Genau das ist doch geplant. Selbstverständlich keine individuelle Gewalt, also dem SUV die Reifen aufschlitzen, sondern die viel schlagkräftigere Staatsgewalt. Also Gesetze, Verordnungen, Gerichtsurteile und Verteuerungen, bis die Normalmami am besten im Lastenfahrrad die lieben Kleinen zur staatlichen Unterweisung in der Schule abliefert. Die besseren Kreise schicken ihren Nachwuchs sowieso auf die Privatschulen mit angeschlossenem Internat in Deutschlands schönsten Gegenden. Da ist es zur Schule nur ein Katzensprung, der zu Fuß zurückgelegt wird. Das Klima wird vorbildlich geschont.

5.) "Aber auch die frommsten Wünsche der "Kanzel" haben schon immer der Gewalt für ihre Umsetzung bedurft." Genau so ist es. Das ist allerdings keine Spezialität frommer Kanzelwünsche, sondern gehört zum Wesen jeder Moral, auch der unfrommen. Moral und Gewalt sind nicht voneinander zu trennen. Die Moral dient dazu, dass die Gewalt Erfolg hat. Wenn der demokratische Rechtstaat beschließt, dass seine Untertanen, die freien Bürger, gefälligst weniger Auto fahren und weniger Fleisch essen sollen, dann setzt er das mit seinen Mitteln der Staatsgewalt durch. Die grün-christliche Verzichtsmoral dient dazu, dass dieses Vorhaben gelingt und nicht an Aufmüpfigkeit oder gar Ungehorsam scheitert.

Traugott Schweiger