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Gerüchte waren schon immer eine üble Sache, mit der heute möglichen Verbreitungsgeschwindigkeit ist dieses Übel zweifellos nicht harmloser geworden – soweit ist dem Herausgeber klar zuzustimmen. Aber dann sein kleiner Rundumschlag bzgl. Fake News und Qualitätsjournalismus: Als einer, der sich seit Jahren auch im Internet (nicht in den sozialen Medien!) politisch informiert, kann ich nur sagen: Eigentlich ist Herr Bedford- Strohm um sein naives Weltbild zu beneiden, mit Qualitätsmedien und klar lokalisierbaren Ursprüngen von Fake News – eine vielleicht noch relativ „gemütliche“ Welt. Ich hingegen teile inzwischen die Erfahrung von Millionen, und es werden immer mehr: Fake News und Gerüchte auch in der Tagesschau, in den HEUTE-Journalen, in den sog. Qualitätsprintmedien. Beispiele gibt es unzählige, könnte ich jederzeit nachliefern. Das sind meistens keine „Last-minute-Pfuscharbeiten“ wie sie überall passieren können, sondern „gezielt eingesetzte Mittel der politischen Auseinander-setzung“ – keineswegs nur in rechten Gruppen, sondern von Regierungen (allen!) und mächtigen Lobbyisten in die Welt gesetzt, um die „Wirklichkeitswahrnehmung der Menschen“ zu „managen“. Und zum Qualitätsjournalismus fällt mir immer als Erstes ein: Die ARD-Berichterstattung über den Ukraine-Krieg wurde vor ein paar Jahren vom Programmbeirat einmal gründlicher untersucht. Das Urteil war vernichtend, der Intendant soll vor Wut geschnaubt haben: „Einseitig mangelhaft, tendenziös“ sei die Berichterstattung insgesamt, so das Fazit.

Was die „Wahrheit“ anbelangt, die wir alle so dringend bräuchten und daher auch permanent suchen sollten, leben wir seit „1984“ in einer Welt, in der Folgendes gilt: „Ein Konzept von Wahrheit wird verschwinden in dieser Welt. Lügen werden Einzug halten in die Geschichte. In Zeiten umfassender Täuschung wird das Überbringen der Wahrheit zu einem revolutionären Akt“ (George Orwell). Dass sogar Professoren und Experten völlig daneben liegen können, gehört auch zu dieser Welt. Und die Mächtigen betrachten die Welt so: „Daran werden Sie erkennen, dass unser Desinformationsprogramm vollendet ist: Alles, was die amerikanische Öffentlichkeit glaubt, ist falsch“, der neue CIA-Chef William Casey in seiner Antrittsrede vor den Oberen des Hauses, 1981. Mitten in unserer vermeintlichen Informationsgesellschaft also allgegenwärtige Desinformation – auch das musste ich bei meinen z.T. jahrelangen Recherchen großer politischer Themen leider schmerzlich einsehen. Noch versammelt sich die Mehrzahl der Menschen in den „Echokammern des Mainstreams“, glaubt an die „offiziellen Narrative“ und „vertraut auf Qualitätsjournalismus“. Es ist klar absehbar, dass die historische Entwicklung diese Mehrzahl auf dem falschen Fuß erwischen wird, unter ihnen die meisten ranghöheren Vertreter der beiden christlichen Kirchen in diesem Lande. Vielleicht sollten sie sich mehr kümmern um das „prophetische Wächteramt“ der Kirche und ihr naives Weltbild einer kritischen Prüfung unterziehen. Die Schriftpropheten jedenfalls waren allesamt nicht „mainstream“, sondern politische und theologische Dissidenten! Und der Herr der Kirche ? Plädiert dafür, dass die Wahrheit die Menschen frei machen würde – auch die politische Wahrheit!