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Lieber Herr Wellbrock,

Herr Henke berichtet in dem Text über seine persönlichen Beobachtungen, Gefühle und Erfahrungen bei seiner Arbeit als Arzt in Tansania. Diese Tätigkeit hat er aufgenommen, da es in Tansania kaum Ärzte seiner Fachrichtung gab und er seine Expertise mit lokalen Kollegen teilen und weitergeben möchte. Sowohl er, als auch seine Frau, arbeiten vor allem mit tansanischen Kollegen zusammen.

Unter seinen Beobachtungen sind auch positive, die allerdings im Text weniger Raum einnehmen, da es primär um die Zweifel geht, die er nach einigen Monaten verspürt hat. Dabei zweifelt er ja durchaus auch an der Sinnhaftigkeit seiner eigenen Tätigkeit. Die Zweifel und den Umgang damit auszudrücken, war ein zentrales Anliegen des Protokolls.

Weder bedient sich Herr Henke dabei rassistischer oder beleidigender Begriffe, wie Sie richtigerweise feststellen, noch führt er die Schwierigkeiten auf Rasse, Hautfarbe, Nationalität oder Gene zurück, sondern mutmaßt, dass die Ursache im hierarchischen Erziehungssystem liegen könnte. Auch sagt Herr Henke nicht, dass sich seine Beobachtungen auf grundsätzlich alle Tansanier übertragen lassen. Er begründet seine Sicht mit sachlichen Argumenten. Seine Kritik am Bildungssystem in Tansania dürfen Sie gerne widerlegen.

Sowohl Herrn Henke als auch mir als Protokollanten war bewusst, dass es sich gerade mit Blick auf die Vergangenheit Tansanias als deutsche Kolonie und die damit einhergende Ausbeutung, um ein heikles und sensibles Thema handelt. Wir waren uns aber einig, dass es falsch wäre, Probleme zu verschweigen. Deren Ursachen mögen vielfältig sein und sicher auch in der Kolonialzeit wurzeln.

Über die grundlegende Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit von Entwicklungszusammenarbeit kann man natürlich auch unterschiedlicher Meinung sein.

Herzliche Grüße

Michael Güthlein