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Dieser oben genannte Artikel atmet noch voll und ganz den Geist des Kolonialisten oder Missionars, der nach Afrika geht, um den Menschen, die er auf dem Entwicklungsstand von Kindern sieht, Hilfe zu bringen (dabei kam von Europa meist nur der Tod), atmet den Geist der Lübke­ Zeit und derer, die nach Afrika gehen und sich gern mit einem Mohrenkind ablichten lassen. Nur die inkriminierten Wörter wie Mohr oder Neger bleiben zu lassen, die Menschen dort aber weiter genau so zu behandeln, ist nicht prima.

Zum Artikel: Warum braucht Afrika die Ehefrau von Herrn Henke? Gibt es keine Afrikanerin. die das kann und der Frau Henke zur Seite stehen kann? Warum ist das Arbeiten in Deutschland strukturiert und durchgetaktet und in Tansania nicht? Liegt es nicht manchmal an konkreten Situationen am Arbeitsplatz, an dem sich Herr Henke befindet, oder ist das genetisch, dass die Afrikaner so sind?

„In meinem eigenen kleinen Team gelingt uns das gut. Wir sind. außer mir zwei einheimische Fachärzte und eine Assistenzärztin, alle im Ausland ausgebildet. Wir können gut priorisieren. Auf anderen Stationen ... ist das komplizierter. Da vergessen Schwestern schon mal ... aber ich kann schwer akzeptieren, wenn beim Umgang mit Patienten geschludert wird ..." Dann berichtet Dr. Henke, wie in seiner Abwesenheit ein Patient stirbt. der hätte gerettet werden können, wenn er, der Weiße, der Deutsche, da gewesen wäre. Und er kommt zu der Beobachtung: Viele Tansanier feiern zwei Stunden im Gottesdienst - aber Glaube zeigt sich doch auch über das, was man tut." Und so geht der Artikel bis zum Ende weiter.

Ich glaube, dass Dr. Henke in Tansania sicher eine lobenswerte medizinische Arbeit verrichtet. Aber mit solch einem Artikel tun Sie ihm keinen Gefallen, tun Sie sich keinen Gefallen und dem Kampf gegen deutsche Arroganz und Überheblichkeit auch nicht.

Ich bin ein Mitglied Ihrer Kirche. Dass meine Steuern für solche Artikel herhalten müssen, finde ich beschämend. Nur das Wort „Neger" weg aber den Geist dahinter weiter gewähren zu lassen, ist nicht konsequent. Afrika wurde über viele Jahrzehnte von uns verwüstet. Deshalb ist es gut, wenn es Helfer wie Herrn Dr. Henke gibt. Sie braucht es aber nicht deshalb, weil die Afrikaner blöder sind als wir. Warum hat von Ihnen keiner „Halt! Stop!"gesagt, als dieser Artikel zustande kam? Er ist so selbstgerecht und überheblich. Herr Güthlein kann sich nicht damit herausreden. dass er nur protokolliert hätte.

Das Erziehungssystem hat Dr. Henke ausgemacht, dass Kreativität in Tansania verhindert wird und Autoritätshörigkeit entsteht. Als Deutscher sollte man da ein wenig zurückhaltender sein.

Zum Schluss noch dieses Zitat: „Schlimm finde ich das Zeigen auf andere, wenn Fehler passieren." Da bleibt einem fast die Spucke weg. Der ganze Artikel ist doch in genau diesem Geist gehalten: Ich bin schlau. die anderen sind blöd.

Achim Wellbrock