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Zitat von Herrn Berthold: "Aber in Mecklen­burg - Vorpommern, unserem eigentlich besten Storchenland, nehmen die Störche weiter ab. Warum? "Weil all die herrlichen Wiesen, wo der Storch sein Essen findet, umgewandelt 
werden in Maisfelder, Getreidefelder, Kar­toffelfelder."
Ich lebe in Mecklenburg-Vorpommern und bin an der Peene in Vorpommern aufgewachsen. Das Flußtal der Peene mit den weitläufigen Niedermoorwiesen wurde über Jahrhunderte durch Landwirte bewirtschaftet und wir hatten Störche ohne Ende. Nach der Wende wurde, staatlich gefördert, die landwirtschaftliche Nutzung weitgehend aufgegeben und die Wiesen durch die verantwortlichen Naturschutzbehörden "renaturiert". Mit der Folge, dass die Störche in der Zeit der Aufzucht der Jungtiere im Juni/Juli keinerlei Nahrung in den Wiesen finden, da Störche nicht gemähte Wiesen meiden. Erst mit dem Beginn der Getreideernte, Anfang Juli, sind wieder gemähte "Futterflächen" für die Störche und sonstigen Greifvögel verfügbar. Viele Storchenpaare haben aber bis dahin die Jungtiere aus dem Nest befördert, um der Nahrungsnot zubegegnen. Das Flußtal entlang der Peene hat sich aus einer jahrhundertelangen Kulturlandschaft zu einer Wildnis entwickelt, die den Störchen keine Nahrungsgrundlage mehr bietet. Die Aussage, dass aus all den herrlichen Wiesen und Weiden Ackerflächen gemacht werden, ist absolut falsch, da Niedermoorflächen ackerbaulich einfach nicht zu bewirtschaften sind. Neben den Peenewiesen teilen auch die Trebel- und Tollensewiesen im Übrigen das gleiche Schicksal. Sehr oft richtet der Naturschutz viel Schaden an, da Wissen und Erfahrungen von den Gestaltern der Kulturlandschaften, also den Landwirten, ignoriert werden. Und leider bleiben Behauptungen, wie die von Herrn Berthold, einfach unkommentiert. Schade! In einem Fall gebe ich Herrn Berthold allerdings recht, die deutschen Gärten und kommunale Grünanlagen sind in der Tat häufig Orte des "Grauens" für die Vogelwelt. Einfach mehr Mut zur Nachlässigkeit, es muss nicht jedes Gänseblümchen getilgt werden und auch ein abgestorbener Baum hilft nicht nur Vögeln, sondern auch den Insekten. Das Thema ist sehr komplex und ich finde es höchst bedenklich und zu einfach, dies ausschließlich den Landwirten anzulasten, denn Landwirtschaft ist keine Erfindung der Neuzeit.