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Da stimme ich vollkommen mit Ihnen überein, dass der Artikel Teil einer weit fortgeschrittenen Debattenkultur ist. Ich würde eben gerne darauf hinweisen, was hier weit fortgeschritten ist und unter der Bezeichnung Debatte und Kultur firmiert. Die empfohlene religiöse Erziehung will sich unterschieden wissen von Indoktrination. Karla soll selber die Antwort finden. Das ist Heuchelei in zweierlei Hinsicht. Karla findet selber keine Antwort. Sonst würde sie nämlich nicht fragen. Wenn Karla weiß, wo ihre Puppe - pardon, keine Genderklischees bitte, also wo ihr Spielzeugmarschflugkörper - abgeblieben ist, dann fragt sie ihre Mutter nicht, sondern holt sich einfach ihr Lieblingsspielzeug.

Zweitens soll Karla gerade nicht selber die Antwort finden, dass die Auferstehung ein Kokolores oder Schwindel sei. Sondern sie soll gefälligst auf eine durchaus knallharte Vorgabe reinfliegen, nämlich den "Sinn für das Geheimnisvolle des menschlichen Lebens". Sollte Karla mit zunehmendem Alter also eher dazu tendieren, es als ziemliches Geheimnis anzusehen, warum ausgerechnet das menschliche Leben ein Geheimnis sein soll, dann hat die religiöse Erziehung hier ihr Ziel verfehlt. Sollte Karla es überdies rundherum ablehnen, nach Sinn zu trachten, sondern ganz schnöde ihre eigenen Interessen und die der lieben und weniger lieben Zeitgenossinnen um sie herum als den springenden Punkt ansehen, dann ist der GAU der religiösen Erziehung erreicht.

Wenn somit von religiös interessierter Seite behauptet wird, moderne Erziehung in Glaubensangelegenheiten, insbesondere die Auferstehung betreffend, sei weit entfernt von "fertigen Antworten", dann erinnert das voll an den bekannten Werbeslogan der Bildzeitung: "Bild Dir Deine Meinung!".

Thea Schmid