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Beim Lesen Ihres Artikels habe ich mich darüber geärgert, dass Sie die Geschichte aus den Evangelien über die Verleugnung Jesu durch Petrus so darstellen, als sei sie eine historische Begebenheit. Schon der Titel führt den Leser in diese Richtung. Es ist schade, dass eine so renommierte Zeitschrift wie ‚Chrismon‘ die Diktion von fundamentalistisch angehauchtem Bibelverständnis übernimmt. Davon hört man ja leider viel zu viel in den Gemeinden und in den Morgenandachten. Warum sagt man den erwachsenen Menschen nicht eindeutig, dass es sich um GESCHICHTEN handelt und nicht um historische Berichte. Gerade dieser Text über Petrus enthält doch so viele wertvolle und substantielle Wahrheit über das menschliche Verhalten in schwierigen Situationen und hält uns den Spiegel vor, so dass es völlig überflüssig ist, ihn historisch zu missbrauchen. Denken Sie nur an die Situation in einigen Ländern der Welt (z.B. Türkei, Russland etc.), wo es lebensgefährlich sein kann, sich zu jemandem zu bekennen, der in Ungnade gefallen ist.
Ich finde, die studierten Theologen sollten sich viel mehr auf den theologischen Gehalt der Bibeltexte konzentrieren, und sie sollten den Gläubigen nicht länger verheimlichen, dass die Bibel viel mehr literarische und theologische Geschichten enthält als historische oder naturwissenschaftliche Bücher. Gerade die durch die Aufklärung entlarvten Historisierungen waren in der Vergangenheit auch für den Missbrauch der biblischen Botschaft aus Machtinteressen mitverantwortlich.
Ich habe in meiner Gemeinde schmerzlich erfahren, wie fundamentalistisch geprägte Überzeugungen den Anliegen der Kirche und des Glaubens schaden: bei uns wurde die ausgezeichnete Kantorei aus der Kirche hinausgeworfen, der Kantor entlassen, weil die Kirchenmusik angeblich für den Gemeindeaufbau schädlich sei (man bezog sich auf Willow Creek).
Meine abschließende Bitte: Sorgen Sie mit Ihrer Zeitschrift für aufgeklärte und angewandte Theologie, so dass Ihre Leser in ihrem alltäglichen Leben weiterhin bereichert werden.
Als gutes Beispiel erinnere ich mich gerne an ihren früheren theologischen Redakteur Jürgen Wandel, dessen Texte ich fast unbearbeitet in meinem Religionsunterricht verwenden konnte.