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Kaum eine der großen Institutionen in unserem demokratischen Zeitalter diskriminiert die Frauen so sehr wie die kath. Kirche – und zwar durch Verbot der Empfängnisverhütung, der Priesterehe und der Frauenordination. Diese Einstellung kommt einer Verletzung der Menschenwürde gleich und stellt einen Verstoß gegen die Menschenrechtscharta dar.

Für die Männer dominierte Klerikerkirche gilt es wohl vorrangig, die patriarchalen (Macht-) Strukturen der Kirche zu erhalten; die sowohl neutestamentlich als auch theologisch nicht nachvollziehbaren Argumentationskonstrukte zur Abwehr von Frauen in Leitungspositionen können zumindest nicht mit Jesusworten bestätigt werden; der ehemalige Wiener Kardinal König sagte 1993 : „Der Priester- und Bischofsweihe der Frau in der katholischen Kirche steht kein Glaubensgrund entgegen.“

Der Anspruch des Papstes, dass sein Nein zur Frauenordinination „unumkehrbar und unfehlbar“ sei, bedarf einer entschiedenen Zurückweisung ; es wird immer offensichtlicher, dass päpstliche Oberhirten in den letzten 30 Jahren ihre Machtkompetenzen in theologischer Hinsicht immer stärker auf die Einforderung einer strengen Arkandisziplin und unbedingten Gehorsams bei ihren „Schafen“ fokussieren und damit in zunehmendem Maße eines Machtmissbrauchs ihres Amtes erlegen sind.

Die Tatsache, dass viele Textstellen im NT heute gelesen und verstanden werden müssen vor dem Hintergrund zeitbedingter sozialer, kultureller und gesellschaftspolitischer Eigen- und Besonderheiten, hat zwar bei Vertretern einer aufgeklärten Exegese längst Eingang gefunden, doch scheint diese Erkenntnis bei Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz noch nicht auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein.

In all ihren Aktionen zur Herabsetzung der Frauenwürde können sie sich auf Jesus von Nazareth nicht berufen. Der Mensch Jesus v. Nazareth ist in Vergessenheit geraten – man sieht alles nur mit einem Dogmen-Tunnel-Blick fernab der Wirklichkeit.

Paul Haverkamp, Lingen