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Der Missbrauch ist kein Tabu, schon lange nicht mehr. Für viele Menschen mag dieses Thema jedoch so ungeheuerlich sein, dass sie tatsächlich davon nichts wissen wollen.
Das ist schlimm, nämlich der Egoismus, der aus einem völligen Mangel an Zivilcourage erwächst, so dass es besser ist, sich an eine Institution zu wenden, in dem Falle an einen christlichen Journalismus, als an einen andern Menschen, der einen ja in der tat, kaum verstehen würde.

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Es gibt einige, sehr grausame Missbrauchsfälle, die vor ca 10 Jahren nicht nur für Schlagzeilen sorgten. Aus meiner Perspektive war das der Beginn einer öffentlichen Verarbeitung von Gewalt und sexuellem Missbrauch an Kindern. Aber die Grausamkeit, die dabei zum Vorschein kam, war kaum zu ertragen.
" Ein Kind spürt, was dort nicht hingehört", kann auch geschehen, wenn hysterische Eltern überreagieren, und das Kind so in die Mangel nehmen, dass es mit Ja auf eine suggestive Frage antwortet. Solche Fälle gab es auch, im Zusammenhang mit Kindergärten, vielleicht gerade zu der von mir erwähnten Zeit. Man kann daher die Aussage der Reporterin als reine Vorsicht deuten, denn schliesslich tritt sie hier nicht in der Rolle einer Therapeutin auf.
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"In den Achtzigern widersprach man dem Papa/ Erwachsenen nicht ..." , zu pauschal . Wie konnten Sie wissen, was MAN darf, und was nicht ? Ein Kind hat nur die ureigene Sichtweise. Hier mischt sich heutiges Wissen in die Erinnerung hinein. Damit wird übrigens auch das Kollektiv als Gesellschaft in die Mangel genommen, also in den Achtzigern war man so, in den Siebzigern wiederum anders , während heute nur noch Offenheit, Globalisierung und konservative Werte die Runde machen.
Eine Chance für alle, angestaute Wut und Hass nach Außen zu kehren. Alles richtig, nur darf es nicht allein dabei bleiben, dass man sich wiederum in allgemeiner Schuldzuweisung und anschließender Konvention ergeht. Das heißt, dass man lediglich viele wohlfeile Worte verliert, und am Ende hat zwar das Opfer sein Recht erhalten, und die Gesellschaft ihre Schelte wie auch ihre Chance, aber es fand keine Verarbeitung statt. Wozu auch, wenn Justitia und Kirche Recht gesprochen haben ! Anschließend geht es im Allgemeinen zur Tagesordnung über.
Klar ist aber, dass der Widerspruch auf jeden Fall helfen konnte, aus der Unterdrückung herauszukommen.
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"Die Höllenqualen ( ....) könnten sich Menschen ohne solche Erfahrungen nicht einmal ausmalen."
Sie beschreiben diese Qualen sehr eindringlich, doch darf man Schmerz nicht vergleichen oder gegeneinander ausspielen. Darauf gibt es keine Exklusivitätsrechte.
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Thematisch sind auch die Beziehungssüchte der geschilderten Familien wichtig, die im Spiegel der Vergangenheit ebenso Opfer waren, aber so wütend in ihren eigenen Überlebenskampf verstrickt, dass es Ewigkeiten dauern könnte, hier Einsicht und Bewusstheit zu erwarten. Im religiösen Sinne meine ich den Prozess der Vergebung.
Eine alte Vase kann man bedenkenlos wegwerfen, doch ein vertanes Menschenleben kommt nicht wieder zurück.