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Ich teile viele der Kommentare, finde auch schön, dass die Autorin mit ihrer Wahrnehmung ehrlich ist und beschreibt, dass sie im ersten Moment nicht weiß, ob diese unglaublichen Dinge wahr sind. Unglaubliche Dinge sind das ja. Und doch gehören sie zu unserer Realität. Jedes zehnte Kind! In der Nachkriegszeit hatte man wohl Kinder befragt, und dann noch wegen sexueller Krankheiten untersucht. Kein Kind hat Missbrauch zugegeben, aber ein zweistelliger Prozentsatz hatte (so schreibt es Sabine Bode in einem ihrer Bücher, wenn ich mich recht erinnere) sexuell übertragbare Krankheiten.

Ich kann diese Dinge nur aushalten, nur den Betroffenen (und ich kenne persönlich welche in meinem Freundeskreis) zuhören und mich einfühlen, wenn ich mich gleichzeitig von Gott getragen weiß in dieser Bodenlosigkeit. Manchmal überlege ich, ob ich Geld geben soll, um Opfer zu unterstützen. Aber auch da braucht es viel Behutsamkeit, denn Geld anzunehmen heißt auch, zur eigenen Bedürftigkeit zu stehen und die erinnert wieder an die Ohnmacht, die schreckliche, jahrelange Ohnmacht. Was ich tue, ist, wenn es eben sich ergibt, zuzuhören und mitzufühlen. Ich habe tatsächlich keine große Angst davor, kann zwar verstehen, wenn andere Angst vor solchen Geschichten haben, aber ich habe die nicht. Mich haut das nicht um. Es geht mir nach und ich sitze dann in meiner Gebetsecke oder einer Kirche vor Gott und flehe ihn an. Und ich schimpfe ihn auch, dass er sowas zulässt. Und dann bitte ich ihn darum, dass er nun diese Menschen behütet. Dass die Täter die Schuld an die Opfer übertragen, ist meinem Verständnis nach ein ziemlich normales Phänomen in der Psychologie. Auch sie schützen ihre Seele. Daher bitte ich auch für sie darum, dass sie Einsicht finden, dass auf ihrem Ausstieg aus dem Ganzen ein Segen liegt (weil es ja nie ohne Segen geht). Auch, wenn das jetzt naiv klingt. Weil es ja auch diesen Effekt gibt, dass sich die Opfer für die Täter verantwortlich fühlen (wurde ihnen ja so eingebläut, wenn Du das nicht tust, dann bist Du schuld, dass ich ...). Und das ist wichtig, dass die Opfer diesen Stein der Verantwortung zurückgeben an die Täter. Auch, wenn dieser Täter der alte Vater ist, der nun gerne noch seine alten Tage in Ruhe verbringen würde. Auch, wenn dieser Täter selbst als Kind Schlimmes erlebt haben sollte. Immer ist es wichtig, dass die Verantwortung beim Richtigen ist, denn dann wird eine Befreiung möglich. Man kann nicht für jemand anderes sühnen. Das kann nur Jesus. Und er kann heilen.

Was nun auch nicht heißt, dass man keine Therapie braucht oder so. Natürlich braucht man die und man braucht auch alles mögliche Andere zum Leben. Es ist gut, dass es jetzt einfacher ist, solche Dinge ans Licht zu bringen, dass es Portale gibt, wo man Hilfe bekommen kann. Es ist noch ein weiter Weg und ein ziemlich beschwerlicher. So viele Menschen, die damit nichts zu tun haben wollen, weil sie sich als Täter oder als Opfer oder einfach als Mitmenschen nicht gerade jetzt damit befassen wollen, weil ihre Seele das gerade jetzt nicht will. Herr, ich bitte Dich, dass Du diesen Weg, den von jedem und jeder Einzelnen und den der Gesellschaft segnest, dass Du tröstest und heilst, denn es ist sehr nötig. Und da, wo wir etwas tun können und sollen, da bitte ich um Deinen Fingerzeig, dass wir es sehen und hören und um Deine Kraft, es zu tun, mit Behutsamkeit und mit Liebe. Und um den Mut, die nötigen Konflikte zu führen.