Neue Lesermeinung schreiben

Ihr Interview passt zu unseren traurigen Erfahrungen. Unser Sohn, Anfang 30, substituierter Drogenkonsument, Magen und Leberkrebs im Endstadium, kam 2011 auf eine Palliativstation. Wir hatten ihm versprochen, dass seine Schmerzen dort gelindert würden. Der Chefarzt war im Urlaub. Die vertretende Ärztin schätzte die Lage falsch ein, weil unser Sohn sich mit letzter Kraft selbst waschen wollte und sich aus dem Bett schleppte, um vor der Tür zu rauchen. "Hospiz? Der kann doch noch! Schmerzmittel? Nur Novaminsulfon, weil man einem Drogensüchtigen nicht alles geben soll, was der verlangt." In einer der folgenden Nächte schrie er nur noch. Ich bin geflüchtet, weil ich es nicht ertragen konnte, dass er keine Hilfe bekam. Unter meinem Versagen leide ich noch heute. Als mein Mann am nächsten Morgen in der Klinik eintraf, klebte ein Zettel an der Zimmertür. Unser Sohn war tot. Er hatte jedoch vom wieder eingetroffenen Chefarzt endlich Morphium bekommen und war nach Aussagen einer Krankenschwester, nachdem er sich bedankt hatte, ruhig gestorben - leider ohne dass wir benachrichtigt wurden.

Gwenda Hahne, Kiel