Neue Lesermeinung schreiben

Wem hat "Gast" geantwortet? Er könnte nahezu alle vorherigen Texten gemeint haben. In der einen oder anderen Form. Auf jeden Fall ist er tief getroffen. Respekt zugunsten eines Namenlosen der nicht den Mut hat, selbst mit Namen angesprochen zu werden? Nachplappern tun zumeist die, die sich in der Welt der religösen Phrasen und Ideale zuhause fühlen. Aber Gast ist sicher frei von allen Zweifeln und dennoch voller Rituale, die seine Überzeugung stärken. Warum auch nicht. Zumindest gestehen Sie mir zu, "ein wenig wach" geworden zu sein. Und wie es dazu kam, ist sicher stellvertretend für viele Andere auch deshalb interessant, weil Ihnen bei dem Bemühen des religiösen Verstehens Ähnliches widerfuhr. Wach bin ich schon sehr früh geworden. In der Konfirmandenstunde sollte der Inhalt der Predigt vom Sonntag wiedergegeben werden. Jeder erzählte etwas anderes. Deshalb "wach" geworden, habe ich damals den Pfarrer gebeten, uns doch den Inhalt seiner Predigt kurz zu wiederholen, damit alle Schüler gleicher Erinnerung sein können. Das war unbotmäßig, ich mußte den Raum verlassen. Am nächsten Sonntag kam dann auch prompt in der Predigt die Aufforderung, dass man die Texte doch im Großen und Ganzen verstehen möge. Die von ihm gefordert Detail-Wiederholung war vom Tisch. Warum auch immer. Die Folge war, dass ich fortan jeden Sonntag die Predigten genau verfolgte und sie für mich auf Verständlichkeit prüfte. Das Ergebnis war ein Fiasko und das vorläufige Ende aller anerzogener religöser Werte. Die Folge war die Exegese aller jeden Morgen zum Frühstück vorgelesenen Texten des Neunburger Kalenders und seit Jahren auch der Texte um 6Uhr35 im DLF. Das Dilemma der verbalen Unzulänglichkeiten bleibt. Ich habe vor längerer Zeit in diesem Forum gefordert, dass ein "neuer Luther" notwendig ist um die sich selbst zerfleischenden theoretischen ev. Diskussionen über den Gehalt der Religion zu beenden. Und ich habe sehr genau aufgepaßt, wie weit sich bereits die Protestanten von "allen Guten Geistern" entfernt haben. Es ist nur ein exemplarisches Beispiel, das aber zeigt, was in ev. Kirchen inzwischen möglich ist. In einer Berliner Kirche durfte kürzlich Herr Gööckler geschäftlich mit einem 2017-Bibelschuber posieren. Das kommt einer Entweihung gleich. Ausrutscher? Mitnichten, denn Tiergottesdienste gibt es ja auch schon. Fehlt nur noch die Forderung, dass künftig auch Haustiere getauft und konfirmiert werden sollen. Übertreibung? Hoffentlich! Herr Gast, wenn Sie schon so innig von Respekt schreiben! Da ist der Hut eines Ausgräbers doch wahrlich der allerletzte Haken, an dem man seinen Glauben aufhängen kann. Wenn es das VATERUNSER als letzte Rettungsinsel nicht gäbe, wäre ich schon längst fort. Und da kommen Sie mit einem von Boshaftigkeit so triefenden Text.