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Gerne. Zunächst einmal stört mich die Begründung, mit welcher die Pilger hier zur Unterstreichung der Brillanz der neuen Wahrheit herhalten müssen. Der Autor zeigt sich in emotionaler Hinsicht wenig einsichtig, vielmehr huldigt er dem Narzissmus und somit der Persönlichkeit des Archäologen. Auch die Erwähnung der Souvenirläden am Ende der Via Dolorosa , die mich lebhaft an den chrismon shop erinnern, provozieren unnötig.
Zumindest zetteln pilgernde Menschen keine Kriege an !
Überhaupt stellt der Autor die Persönlichkeit des Archäologen so sehr in den Vordergrund, dass der Text langweilig wird.
"Und wie steht es um den Wahrheitsgehalt des Passionsweges ?"
"Ist der Gottessohn also gar nicht über die heutige Via Dolorosa GELAUFEN ?" Der Satz ist absurd und frönt eher der im Fernsehen üblichen Art, solche populärwissenschaftliche Theorien in dokumentarischer Filmform an ein breites Publikum zu bringen.
Der größte Teil des Textes beschreibt den Archäologen, beleuchtet schmeichelnd seine Biografie und sein Umfeld, und betont die " beste deutsche Wertarbeit" als sein Qualitätsmerkmal !
Die Erwähnung des Katholischen, des Urerzfeindes, ( Gähn ! ), darf ebenfalls, obligatorisch, nicht fehlen.
"Wäre es ein Dach aus Zweig und Lehm gewesen, wäre doch der ganze Dreck auf Jesus runtergebröckelt (...). So eine Geschichte hätte man sich nicht erzählt. " Vielleicht, man hätte möglicherweise die unwesentlichen Details weggelassen, um das Wesentliche zu erzählen, nämlich die Geschichte der Heilung und des Vertrauens. Heute wird versucht fehlenden Puzzleteile zu finden, zu ergänzen. Die Bibel ist doch nicht ausschließlich auf Historie gegründet, sondern Dank der Visionen immer auch ein Bericht zwischen begründeter und nachweisbarer historischer Geschichte und der zwischenmenschlichen Beziehung, die auf Liebe, Vertrauen, Macht, Autorität und Mystik aufbaut.
Mehr über Archäologie als bekannt, kann ich hier nicht entdecken.
Das wichtigste, nämlich die letzten Schlussfolgerungen über Fakten und Befunde, welche die Forschung so gerne populär als Wahrheiten bezeichnet, müssen manchmal im Verborgenen bleiben, weil sie nicht immer schlüssig beantwortet werden können. Man kann sie rekapitulieren, aber vieles bleibt der Phantasie überlassen, und somit hypothetisch.
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Alles in Allem werden hier nicht die Mythen der Bibel widerlegt, denn ein Mythos ist keine Wahrheit im eigentlichen Sinne. Einen Mythos zu widerlegen, heißt hier, falsche Annahmen zu widerlegen, und zeigt lediglich eine vollkommen phantasielose und oberflächliche Art mit der Bibel , der Geschichte und dem Glauben von Menschen umzugehen.
Mit freundlichen Grüßen