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Sehr geehrte Frau Holch,
vielen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort! Das weiß ich sehr zu schätzen.
Ich musste erst einmal einige Tage darüber nachdenken. Denn ich möchte nicht nur kritisieren, wenn schon jemand dieses Thema aufgreift. Ich gebe Ihnen recht, man kann nicht in einem Beitrag alles zur Sprache bringen.
Übrigens glaube ich auch nicht an die Möglichkeit einfacher Lösungen und Schwarzweiß-Antworten beim Thema Zwang. Was mich schockiert: Wie in Fachbeiträgen und in persönlichen Gesprächen Argumentationen vorgetragen werden, die ethisch wie wissenschaftstheoretisch unhaltbar sind, ohne ein Problembewusstsein. Und bei einem Hinweis darauf wird so oft das Gespräch abgebrochen mit dem Hinweis, man wolle ja nur das Beste für die Patienten - was ich grundsätzlich gar nicht bezweifeln möchte. Mir scheint, dass Ihr Beitrag auch noch zu wenig erahnen lässt, dass Zwang im Rahmen eines Systems geschieht, in dem die Behandler am längeren Hebel sitzen. Selbst bei Verstößen gegen geltendes Recht haben betroffene und Angehörige kaum eine Chance, sich zu wehren. Soweit ich sehen kann, gibt es in der Psychiatrie keinen Schutz vor Machtmissbrauch. Und ich finde es nicht hilfreich, das auszusparen.

Was ich noch einmal sagen möchte, bitte nehmen Sie auch in der nächsten gedruckten Ausgabe Stellung zu dem Titel. Angemessen wäre meiner Meinung nach eine Entschuldigung auf der Titelseite!!
Eine solche Herabsetzung ist weder zweckdienlich noch wäre sie durch irgendeinen Zweck zu rechtfertigen. Sie drucken ja auch keine rassistischen Beleidigungen, um für ein friedliches Miteinander zu werben. Und Sie würden wohl auch nicht betonen, dass ältere Menschen noch menschlich sind. Und dass es - meistens - möglich ist, diesen Menschen freundlich zu begegnen. Nochmal danke für Ihre Antwort!