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Sehr geehrte Damen und Herren,

im Folgenden möchte ich mich auf die Reportage „Eine heftige Woche“ von Christine Holch beziehen:

Christine Holch erhielt für ein paar Tage einen – interessant zu lesenden – Einblick in eine psychiatrische Station, indem sie sich dort mit Patient_innen und Mitarbeiter_innen unterhalten durfte. Allerdings befremden mich einige Fragen in ihrem Text: „Sind Psychotiker gefährlich? Kann man mit Menschen, die Wahnvorstellungen haben, überhaupt reden?“. Eine Seite weiter folgt: „Was habe ich jetzt gelernt? Dass man mit Psychosekranken reden kann – sie sind keine Aliens vom anderen Stern, wenn auch ein wenig rätselhaft“. Zwei Seiten weiter ist die Frage zu lesen: „Was bloß kann man an Psychotikern mögen?“.

Solche Fragen – auch wenn sie rhetorisch gemeint sein sollten – erscheinen mir unpassend, da sie das Bild des „gefährlichen Irren“ eher aufrechterhalten statt es zu dekonstruieren. Hier wäre m.E. ein konsequenter Verzicht auf solch subtile Fragestellungen vonnöten gewesen – nicht zuletzt deswegen, um sich für das Feingefühl angemessen zu bedanken, das ihr von hochbelasteten Patient_innen und engagierten Mitarbeiter_innen entgegengebracht wurde; denn was sollen diese und evtl. auch von ähnlichen Krisen betroffene Leser_innen wohl denken und fühlen bei solchen (leider klischeehaft das angeblich ‚Fremdartige‘ beschwörende) Fragestellungen?

Herzliche Grüße
Kristina Kraft, Bremen