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EKD Vorsitzender Bischof Heinrich Bedford-Strohm erläutert, weshalb für ihn eine Bevorzugung christlicher Flüchtlinge nicht in Frage komme.

Schön begründet er dies auch theologisch. Er wäre ein schlechter Ober-Theologe, könnte er nicht für alles eine biblische Begründung finden, sicher genauso auch für das Gegenteil. Ich würde ihm beispielsweise Galater 6, 10 vorschlagen, wo es heißt:

„...so lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen“. 

Ich bin bei ihm, wenn es darum geht, bei uns befindliche Flüchtlinge gleichermaßen respektvoll und ordentlich zu behandeln. Nicht akzeptabel ist diese Auffassung einen Schritt vorher, wenn es gilt, Einfluss zu nehmen, welche Flüchtlinge zu uns kommen sollen. Hier Christen zu bevorzugen wäre nicht nur Christenpflicht, es wäre auch eine Frage der Gerechtigkeit und der Vernunft. Sind nicht gerade Christen im nahen Osten weitaus mehr gefährdet als Muslime? Oder sind nicht Christen bei uns viel leichter integrierbar, z. B. über christliche Gemeinden? Gründe, weshalb die Kirche hier klar Stellung beziehen müsste.

Dem Zeitgeist nachlaufen und keinesfalls irgendwo anecken, das führt bei manchen unserer Hirten dazu, dass sie den Tempelberg im Lutherrock besuchen, zum Zeichen, dass man als Kirchenvertreter, nicht etwa als Privatperson erscheint, dabei aber das Kreuz ablegen, um kein Ärgernis zu erzeugen. Das Kreuz war von Anfang an Ärgernis. Ich weiß nicht, ob das Betreten des Felsendoms durch ihren obersten Repräsentanden für die evangelische Kirche wichtig ist. Das Ablegen des Kreuzes aber wird als schlimme Verleugnung empfunden. Wahrscheinlich gibt es in Jerusalem keine Hähne mehr; einer hätte bestimmt gekräht.

Alles passt dabei zu unserer Bundeskanzlerin, Vorsitzende der Partei, die „Christlich“ im Namen führt. Sie berühmte sich bei einem Fernsehinterview am 3.9.15, in Deutschland seit 2011  110.000 Syrer aufgenommen zu haben, die Zuweisung jedoch der Un-Flüchtlingshilfe überlassen zu haben, um nicht in den Verdacht zu geraten, Christen zu bevorzugen.

Würde sich jemand darüber erregen, wenn Saudi Arabien eine größere Zahl Flüchtlinge aufnähme und sich dabei auf Suniten beschränkte?

Armes Deutschland, arme Kirche.

Alfred Metzger